CFOworld
Veröffentlicht auf CFOworld (http://www.cfoworld.de)

Startseite > Controlling als Dienstleistung

Rechnungswesen

Controlling als Dienstleistung

Rechnungswesen: Controlling als Dienstleistung
© DZ Equity Partner

Familienunternehmen möchten ihr Lebenswerk erhalten. Investoren, so Peter Sachse, stünden daher in der Pflicht, notwendige Strukturen mitaufzubauen.

27. Aug 2012 von Peter Sachse

Der familiengeführte Mittelstand hat in der Regel kein Interesse daran, schnelle Gewinne zu erzielen. Die Unternehmen möchten vielmehr ihr Lebenswerk erhalten und ausbauen.

Ein Investor steht daher in der Verantwortung, sein Beteiligungsunternehmen mittelfristig zum Erfolg zu führen. Dem Controlling kommt daher eine doppelte Aufgabe zu: Der Investor soll einerseits einen ständigen, detaillierten Einblick in die Vorgänge des Unternehmens erhalten, damit er Fehlentwicklungen rechtzeitig erkennt und gegensteuern kann. Auf diese Weise stärkt er die positive Entwicklung des Portfoliounternehmens.

Strukturmangel trotz hohen Umsatzes

Andererseits unterstützt er das bestehende Management im Portfoliounternehmen beim Aufbau von effizienten Strukturen – darin besteht im Übrigen die weitaus wichtigere Aufgabe des Controllings. Das Controlling ist eine wichtige Dienstleistung des Investors. Es umfasst alle Maßnahmen, die dem Management helfen, den Wert des Portfoliounternehmens zu steigern.

Besagte Strukturen sind oftmals noch gar nicht oder nur eingeschränkt vorhanden – selbst bei mittelständischen Unternehmen mit Umsätzen im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Häufig hat das Berichts- und Rechnungswesen nicht mehr mit dem Wachstum des gesamten Unternehmens Schritt gehalten. Es ist zudem vielfach auf den Firmengründer oder den Unternehmer ausgerichtet. Spezielle Software ist nur selten zu finden.

Zusagen bei Vertragsschluss

Wachstum lässt sich mit derartigen Strukturen kaum forcieren. Ein erfahrener Investor geht deshalb die Sache anders an. Er legt die Ausgangssituation zugrunde und bietet geeignete Lösungen an. Dabei berücksichtigt er insbesondere den Aufwand, den der Aufbau von Strukturen im Unternehmen erfordert.

Gemeinsam mit dem Management legt er bereits bei Vertragsabschluss fest, welche Schritte eingeleitet werden müssen, um den Wert des Unternehmens zu steigern. Bei Minderheitsbeteiligungen werden gegebenenfalls Bedingungen vereinbart, zu denen die Geschäftsleitung der Portfoliounternehmen die Beteiligung später ablösen kann. Der Investor hält sich an diese Zusage, auch wenn sie erst Jahre später eingelöst wird. Für den familiengeführten Mittelstand stellt solch eine Vereinbarung ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Beteiligung dar.

Dem Controlling kommt fortan die Aufgabe zu, diesen Zielen zuverlässig den Weg zu ebnen. Dabei ist entscheidend, dass der Investor vor Vertragsabschluss einen möglichst genauen Einblick in das Unternehmen erhält. Er muss Kenntnis darüber gewinnen, welche Prozesse notwendig sind, um den Wert des Unternehmens zu steigern – und somit auch darüber, welche Parameter im Controlling vorhanden sein müssen. Hierfür dienen Gespräche mit dem Management ebenso als Grundlage wie die Due Diligence und eigene Recherchen.

Investor steht in der Pflicht

Die gemeinsamen Ziele und Maßnahmen werden abschließend in einem Maßnahmenkatalog dokumentiert. Aus diesem geht hervor, welche Prozesse erforderlich sind und wie diese im Einzelnen umgesetzt werden sollen. Das Controlling beobachtet und analysiert dabei jeden Fortschritt. Die dafür notwendigen Strukturen werden ebenfalls im Maßnahmenkatalog festgehalten.

Der Maßnahmenkatalog legt zudem Regeln fest, wie sich der Investor und das Management zu verhalten haben, wenn die tatsächliche Entwicklung vom Plan abweicht. Aus diesen Regeln folgt nicht zwangsläufig, dass der Investor zusätzliche Rechte erhält. Vielmehr ist er dafür verantwortlich, die Abweichungen rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren: Er kann anhand geeigneter Maßnahme verhindern, dass sich das Unternehmen falsch entwickelt.

Demnach gibt der Investor nicht nur Hinweise, wie sich das Berichts- und Rechnungswesen anpassen ließe, sondern hilft auch bei der Akquise von Mitarbeitern. Darüber hinaus kann er bei der Expansion ins Ausland helfen, indem er strukturierte Prozesse für den erweiterten Vertrieb oder eine neue Produktion aufbaut – etwa in China oder Indien. Hierbei tritt der Investor beispielsweise an Experten aus seinem Netzwerk heran, die bereits Vergleichbares realisiert und dabei eigene Erfahrungen gesammelt haben. Sie können ihre Erkenntnisse und Kontakte folglich aus erster Hand weitergeben.

Strukturen beim Investor

Damit der Investor derartige Dienstleistungen überhaupt erbringen kann, muss er selbst über geeignete Strukturen verfügen. Nicht jeder Investor passt allerdings zu jedem Unternehmen – hier ist vor Vertragsabschluss eine genaue Prüfung des künftigen Partners wichtige Voraussetzung für den späteren Erfolg. Eine Studie der Stiftung Familienunternehmen belegt zudem, dass Private-Equity-Gesellschaften mit ihrem Wissen dazu beitragen, dass in Familienunternehmen vernünftige Entscheidungen getroffen und die Firmen im Ergebnis besser geführt werden.

--- Peter Sachse war mehrere Jahre Gruppenleiter und stellvertretender Abteilungsleiter für Strukturierte Finanzierungen bei der DZ Bank AG. Heute arbeitet er als Geschäftsführer der DZ Equity Partner GmbH in Frankfurt am Main.---


Quellen-URL: http://www.cfoworld.de/controlling-als-dienstleistung