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Single European Payments Area

Drohung über der Unternehmenswelt

Single European Payments Area: Drohung über der Unternehmenswelt
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Für die EZB stellt SEPA eine logische Konsequenz der Euro-Einführung dar. Von diesem Pathos sind Banken und Unternehmen weit entfernt. Dirk Elsner berichtet aus der Praxis.

7. Sep 2012 von Dirk Elsner

SEPA geistert wie eine Drohung über der Unternehmenswelt. Spricht man mit Unternehmen, dann reichen die Aussagen von „Kein Problem für uns, wir nutzen SEPA bereits“ bis hin zu „Dazu lasse ich mich nicht zwingen.“ SEPA steht für Single Euro Payments Area und umfasst die Einführung einheitlicher Verfahren für den Euro-Zahlungsverkehr, also auf Euro lautende Lastschriften und Überweisungen. Einem Bonmot zufolge sollen sich europäische Abgeordnete dieses Projekt für Europa ausgedacht haben, weil sie zu lange auf ihre Vergütung warten mussten. Bestätigen ließ sich diese Geschichte freilich nicht.

Pathos der EZB

Aus Sicht der Europäischen Zentralbank [1] (EZB) ist der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum eine logische Konsequenz der Euro-Einführung und treibt die europäische Integration voran. Geht es nach der EZB soll ein integrierter Zahlungsverkehrsmarkt erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen, weil Dienstleistungen besser vergleichbar sein sollen. Zudem fördere SEPA den Wettbewerb und treibe Innovationen voran. Mit ähnlichen Argumenten hat man im letzten Jahrtausend die Einführung des Euro begründet.

Von dem Pathos der EZB sind Banken und Unternehmen weit entfernt. Für sie ist SEPA erst einmal ein verbindliches Regelwerk, das umgesetzt werden muss. Und die Umsetzung von Regelwerken verursacht zunächst Aufwand, ohne einen unmittelbar messbaren Nutzen zu erkennen. Diese Aussage jedenfalls höre ich besonders häufig aus Unternehmen - wenn sie sich überhaupt schon mit SEPA befasst haben.

In dieser Serie soll zur Sprache kommen, was die Umstellung auf SEPA für Unternehmen bedeutet und woran sie dabei strategisch und operativ denken sollten. Die Finanzbranche selbst hatte schon viel Zeit, sich auf SEPA einzustellen. Viele Unternehmen haben das Projekt zunächst weit zurückgestellt.

Zweifelhafte Standardisierung

SEPA ersetzt schrittweise die verschiedenen nationalen Verfahren für Überweisungen und Lastschriften. Die sichtbarste und in der Öffentlichkeit bekannteste Änderung besteht darin, dass die bisher bekannte Kontonummer durch eine International Banking Account Number [2] (IBAN) und die Bankleitzahl zumindest vorübergehend durch den Bank Identifier Code [3] (BIC) ersetzt werden. Unternehmen sollen ihren nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in Euro über eine technische Plattform und einheitliche Standards abwickeln.

Eigentlich sollen sie so ihre Prozesse verschlanken können. Für Überweisungen mag das gelten, beim Vergleich zum deutschen Lastschriftverfahren habe ich allerdings Zweifel, ob diese Standardisierung gelingt - in den kommenden Beiträgen wird dies offensichtlich.

Je nach Unternehmensgröße haben die Änderungen erheblichen Einfluss auf die Prozesse und IT-Systeme in Unternehmen. Insbesondere müssen Zahlungsverfahren und –vereinbarungen umgestellt und Datenbestände angepackt werden. Besonders betroffen sind die Lastschriftverfahren für Privat- und Firmenkunden mit Wirkungen auf die Kundenbeziehungen, die Rechnungsstellung sowie die Kundendatenverwaltung. Darüber hinaus kann das Liquiditätsmanagement betroffen sein sowie weitere organisatorische Themen in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße.

Noch mehr als 500 Tage bis zur Umstellung

Auch wenn bis zu der Umstellung auf SEPA Überweisung und Lastschrift noch mehr als 500 Tage Zeit ist, so kann diese knapp werden, vor allen Dingen wenn strategische Weichenstellungen getroffen werden sollen - wie etwa die Abschaffung des Lastschriftverkehrs. Zwar sollen Übergangsregelungen in Deutschland bei der Umstellung helfen, von denen aber vorwiegend kleine Unternehmen und der Handel mit dem elektronischen Lastschriftverfahren (ELV) profitieren. Darüber hinaus drängen in Deutschland einige Unternehmensverbände auf weitere Änderungen.

Im nächsten Beitrag werden zunächst einige rechtliche Grundlagen behandelt. Anschließend geht es dann in den Kern der Regeln. Dabei werde ich insbesondere auf den Überweisungsverkehr und die beiden Lastschriftverfahren eingehen. Die Bedeutung für Unternehmen wird dabei im Mittelpunkt stehen.

--- Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er für die Innovecs GmbH [4] Banken und mittelständische Unternehmen. Daneben betreibt er privat das preisgekrönte [5] Finanzblog Blick Log [6]. Sie erreichen ihn per E-Mail unter dirk.elsner(at)innovecs.de.--- Die letzten Beiträge von Dirk Elsner:

  • What You See Is All There Is [7] (27. August 2012)
  • Gespannte Erwartung am Kreditmarkt [8] (20. August 2012)
  • Sind Guthaben in Euro gefährdet? [9] (10. August 2012)
  • Beziehungen mit Sollbruchstellen [10] (2. August 2012)
  • Newcomer bremsen sich aus [11] (23. Juli 2012)
  • Banken in der Defensive? [12] (16. Juli 2012)

Quellen-URL: http://www.cfoworld.de/drohung-ueber-der-unternehmenswelt

Links:
[1] http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/EZB_Publikationen/2009/2009_07_02_sepa.pdf?__blob=publicationFile
[2] http://www.iban.de/was_ist_iban.html
[3] http://www.iban.de/bic.html
[4] http://innovecs.de/
[5] http://finanzblog-award.de/news/
[6] http://www.blicklog.com
[7] http://www.cfoworld.de/what-you-see-all-there
[8] http://www.cfoworld.de/fokus/finanzplanung/gespannte-erwartung-am-kreditmarkt
[9] http://www.cfoworld.de/fokus/finanzplanung/sind-guthaben-euro-gefaehrdet
[10] http://www.cfoworld.de/fokus/finanzplanung/beziehungen-mit-sollbruchstellen
[11] http://www.cfoworld.de/fokus/finanzplanung/newcomer-bremsen-sich-aus
[12] http://www.cfoworld.de/fokus/finanzplanung/banken-der-defensive