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80 Jahre Große Depression

Finanzkrisen im Vergleich

Nicht der "Schwarze Freitag", sondern der "Schwarze Dienstag" läutete die Große Depression der Weltwirtschaft ein. Damit das, die Gründe und die Konsequenzen wirtschaftlicher Krisen nicht in Vergessenheit geraten, vergleicht das IW Köln zum 80. Jahrestag zwischen der damaligen und heutigen Krise sowie den schweren 90er Jahren Japans.

von Alexa v. Busse, am 29. Oktober 2009

Im April 2009 brach die Industrieproduktion um beinahe 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein. Erinnerungen an die Große Depression: Im Deutschland der 30er Jahre fiel die Produktion drei Jahre hintereinander um jeweils bis zu 19 Prozent. Die Finanzmärkte scheinen sich diesmal schneller zu erholen, genug Parallelen gibt es dennoch. Das Institut der Deutschen Wirtschaft sieht zehn Kriterien als gemeinsame Auslöser von Weltwirtschaftskrisen.

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Die zehn Auslöser von Weltwirtschaftskrisen

1. Überinvestition

Auf außergewöhnlich viele Investitionen wird in der Krise mit Abbau von Überkapazitäten und damit gegen null gehende Neuinvestitionen reagiert – das hemmt die Wirtschaft. Dieses Problem besteht in Deutschland momentan aber nicht: Die Investitionen sind bisher von 19 unwesentlich auf 17,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken.

2. Spekulationsblasen

Wenn Preisblasen platzen, verkaufen Anleger in Panik ihre Wertpapiere und reißen andere Preise mit in den Abgrund. In Deutschland hat das bisher viele geschwächte Anleger und geschwächtes Vertrauen hinterlassen.

3. Bankenkrise und Kreditklemme

Banken vertrauen sich untereinander nicht mehr, weil sie nicht in Schwierigkeiten kommen oder wieder hinaus kommen wollen. Keiner verleiht mehr Geld, weder untereinander, noch an Firmen. In Deutschland ist das die aktuell meist diskutierte Bedrohung – und das zu Recht: Japans Bankensystem konnte in den Neunzigern seiner Allokationsfunktion nicht nachkommen und verlor damit massiv an Wettbewerbskraft.

4. Realzinsanstieg

Im Realzins bildet sich die Inflationsrate ei

ner Volkswirtschaft ab. In der Rezession steigen die Zinsen wegen der zunehmenden Risiken und höherer Kosten für die Unternehmen, was wiederum Investoren abschreckt. 2009 sind die Realzinsen hierzulande zwar gestiegen, haben sich aber bei drei Prozent eingependelt – ein ungefährlicher Wert im Gegensatz zu den 22 Prozent während der Großen Depression.

5. Reallohnanstieg

Höhere Löhne kommen bei der Arbeitnehmerschaft viel später an als die Absatzeinbrüche beim Arbeitgeber. Während sie noch fordern, rauft der Unternehmer sich bereits die Haare ob der Verluste. Entweder höhere Löhne für die einen oder Arbeitsplätze für die anderen heißt es dann meistens. In Deutschland sorgt das derzeit aber kaum für mehr Arbeitsplatzverlust: Die Gehälter sind im Gegensatz zu 2008 nur um rund zwei Prozent gestiegen.

6. Ertragsprobleme

Sinkende Nachfrage bedeutet Verluste, infolge derer Investoren und Banken nur noch zurückhaltend Kapital geben. Für 2009 werden so schlechte Erträge wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

7. Volatile Rohstoffpreise

Extreme Preisschwankungen auf internationalen Märkten signalisieren ein hohes Maß an Risiko, welches die Nachfrage auch bei Preisverfällen langfristig dämpft. Momentan scheint sich diese Lage international wieder zu entspannen.

8. Falsche Geldpolitik

Um einerseits das Finanzsystem stabil und andererseits eine niedrige Inflation halten zu können, hat die EZB den Leitzins mehrfach gesenkt. Anfang Oktober 2009 war deshalb die Geldbasis in Europa doppelt so hoch wie Ende 2008.

9. Fiskalpolitische Fehlreaktion

Eine der wichtigsten Lehren aus den Dreißiger Jahren: Wer trotz sinkender Nachfrage Steuern erhöht und Ausgaben kürzt, verstärkt die Rezession. Die Bundesregierung hat dieses Mal anders reagiert und Hilfsmaßnahmen in noch nie da gewesenem Umfang bereitgestellt. Das aber erhöht die Schulden – um 3,5 Prozent des Inlandsprodukts, um genau zu sein.

10. Protektionismus

Wenn Jobs verloren gehen, will man sich vor ausländischer Konkurrenz schützen. Das Problem dabei: Hohe Zölle und Subventionen schützen nicht nur, sie senken auch die Exporterträge. Das bedroht am Ende mehr Arbeitsplätze, als durch den Schutz gesichert werden können. Seit November 2008 notierte das Forschernetzwerk Global Trade Alert 125 protektionistische Maßnahmen – das kann die Krise verlängern.

 

Weitere Informationen: www.iwkoeln.de

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