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Mobile Payment boomt in Asien

Next Banking: Mobile Payment boomt in Asien

Vodafone etablierte im Jahr 2007 das Bezahlsystem M-Pesa in Kenia. Es ersetzt sogar ein reguläres Konto bei der Bank. In ähnlicher Weise setzt sich Mobile Payment nun auch in Asien durch. Dirk Elsner stellt Daten und Fakten zusammen.

2. Jul 2012 von Dirk Elsner

Ich stellte im ersten Teil [1] dieser Serie die Vision des Mobile Payments vor. Es ist erstaunlich, dass gerade diejenigen im Mobile Payment nicht zur Spitze gehören, von denen man glaubt, es handle sich um ihre besondere Stärke: Banken und Kartenunternehmen. Ich wies bereits im ersten Teil darauf hin, dass vor allem Non- und Nearbanks die Innovationsführer darstellen, also insbesondere Telekommunikations- und Netzunternehmen.

Ich teile die von Lothar Lochmaier in t3n vertretene Sicht [2], dass die führenden Innovatoren der IT-Branche wie Google, Amazon, Facebook und PayPal (eBay) durchaus in der Lage sind, eine neue Generation von (mobilen) Bezahlmodellen im Netz zu starten und über bereits etablierte Absatzwege binnen kurzer Zeit in den Massenmarkt zu treiben.

Weiter schreibt er: “So wird nicht nur Google, das über eine europäische [3] [3]Banklizenz [3] verfügt, das mobile Bezahlen ermöglichen, etwa per Google Wallet und NFC. Facebook-Apps werden mit Facebook Credits und dadurch mit Kreditfunktionen kombiniert. PayPal [4] verfügt über eine Vollbanklizenz und könnte dem Markt der Internetbezahlverfahren so erneut einen Schub verleihen.“

Mit und ohne Banklizenz

Die Aufstellung wird ergänzt durch weitere Web- und Telekommunikationskonzerne, die eine Banklizenz haben sollen. Dazu gehören die Deutsche Telekom via Clickandbuy, der japanische Telefonriese NTT Docomo, der sich den Bankverein Werther kaufte [5]. Die kanadische Rogers Telekom beantragte [6] indes eine Banklizenz. Vodafone dagegen scheint ohne Banklizenz auszukommen, weil der Kommunikationsriese mobile Bezahlverfahren in Kooperation mit VISA [7] anbieten will. Daneben startete Amazon bereits einen Bezahldienst, der in Europa bisher nur genutzt werden kann, wenn Händler diesen Dienst integrierten [8]. In den USA ist der Handelsriese einen Schritt weiter und bietet über WebPay [9] seinen Kunden an, Geld an andere Kunden zu überweisen und von ihnen zu empfangen.

Drei weitere wichtige Unternehmen fehlen noch in der Formation. Noch ist unklar, ob sie sich positionieren werden. Apple meldete Anfang März 2012 ein Patent für eine iWallet an - siehe hierzu den Beitrag iWallet-Patent - Kommt nun die iBank? [10] im Handelsblatt [10]. Apple fördert damit die schon länger brodelnden Spekulationen um einen Einstieg [11]ins Banking - offiziell angekündigt hat Apple dazu freilich noch nichts.

Und auch Microsoft, so munkelt es das Web, könne sich auf das Segment des Mobile Payments stürzen. Jedenfalls deutet eine im Frühjahr erschienden Stellenausschreibung auf Payment [12] [12]Jobs [12] dies an. Daneben erprobt Facebook [13] das Bezahlen per Smartphone anhand einer mobilen Applikation, allerdings bisher nur für virtuelle Güter, die auf der Plattform selbst gehandelt werden. Daneben kündigte Facebook an, die hauseigene virtuelle Währung schrittweise umzustellen [14] auf echte lokale Währungen - siehe auch: Facebooks heimliche Währungsrevolution [15].

M-Pesa schrieb Geschichte

Vodafone ist übrigens ein hochinteressanter Spieler auf dem Markt des Mobile Payment: Der britische Telekommunikationsriese initiierte zusammen mit der Deutschen Telekom und O2 das Angebot mpass [16] [16], das sich in Europa noch nicht in die Offensive traut. In Afrika hat Vodafone mit M-Pesa bereits Zahlungsverkehrsgeschichte geschrieben.

Bei M-Pesa richten Mobilfunkkunden ein Konto bei einem Agenten ein. Bei diesem M-Pesa-Agenten kann im Anschluss Bargeld eingezahlt werden. Alternativ ist es möglich, das Geld direkt auf sein M-Pesa-Konto zu transferieren. Beim Einkauf sendet man dem Händler eine SMS mit den Betragsdaten an seine Handynummer. Daraufhin wird der Betrag vom M-Pesa-Konto abgebucht und dem Empfänger gutgeschrieben.

Vodafone hat M-Pesa [17] zusammen mit der kenianischen Mobilfunkfirma Safaricom entwickelt und Anfang 2007 in Kenia eingeführt. Damit werden grundlegende Funktionen des Geldtransfers und des bargeldlosen Zahlungsverkehrs über Mobiltelefone angeboten - und zwar ohne ein reguläres Bankkonto zwingend vorauszusetzen. Tatsächlich, so im Gespräch mit Christian Rapp von Vodafone, werden in M-Pesa-Ländern Gehaltszahlungen häufig gleich auf Mobilfunkkonten überwiesen. Banken werden für diese Funktion also nicht mehr benötigt.

Wachstum bis ins Jahr 2015

Mobile Payment entwickelt sich rasant und ist dabei, die Bezahlwege von Konsumenten und Geschäften zu verändern. Das stellte auch eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie [18] von KPMG fest.

Die Schätzungen über das Transaktionsvolumen sind insgesamt aber ausgesprochen uneinheitlich bis unübersichtlich. In einer Grafik [19] auf mobile payments today wird das im vergangenen Jahr abgewickelte Gesamtvolumen mobiler Zahlungen auf 240 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im Widerspruch dazu stehen von Heise Online verbreitete Daten [20] des Marktforschers Gartner, die erst für Ende diesen Jahres ein weltweites Volumen von 171,5 Milliarden US-Dollar erwarten und darin eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent sehen.

Eine Studie [21] des Marktforschers Renub erwartet im Jahre 2014 ein weltweites Transaktionsvolumen von 500 Milliarden US-Dollar im Mobile Payment, davon 200 Milliarden US-Dollar in den Vereinigten Staaten von Amerika. Arthur [22] [22]D [22] [22]Little [22] erwartet für das Jahr 2012 ein Volumen von 250 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von 68 Prozent gegenüber dem Jahr 2011 entspricht. Juniper [23] [23]Reaseach [23] schätzt das weltweite mobile Zahlungsvolumen für das Jahr 2015 gar auf 670 Milliarden US-Dollar.

KPMG veröffentlichte ebenfalls eine neue Studie - hier [24] als PDF, der passende Bericht auf mobile payments today trägt den Titel m [25]- [25]payment [25] [25]volume [25] [25]to [25] [25]surpass [25] $900 [25]B [25] [25]by [25] 2015 [25]. KPMG erwartet ein weltweites Volumen von über 945 Milliarden US-Dollar im Jahre 2015, bei Wachstumsraten von 97,4 Prozent jährlich zwischen 2010 und 2015.

Hohe Präferenz für Bargeld

Nach der letzten und sehr differenzierten Zahlungsverkehrsstatistik [26] [26]der [26] [26]Bundesbank [26] wurden in Deutschland im Jahr 2010 unter Nichtbanken 2,68 Milliarden Transaktionen mit Karten durchgeführt (Umsatz: 169 Milliarden Euro), 5,87 Milliarden Überweisungen getätigt (Umsatz: 52,251 Billionen Euro) und 8,7 Milliarden Lastschriften eingezogen (Umsatz: 11,781 Billionen Euro). Die Bundesbank kann auf Basis ihrer Erhebungsmethodik bisher leider keine differenzierten Angaben über innovative Zahlungsformen liefern.

Bereits im Jahr 2004 veröffentlichte das Bundesministerium für Wirtschaft eine in Auftrag gegebene, repräsentative Studie [27], wonach jeder zweite Bundesbürger sich vorstellen kann, entsprechende Dienste zu nutzen - siehe auch  [28]wi [28]- [28]mobile [28]. Freilich sind die damals geweckten Erwartungen bisher bei weitem nicht erfüllt worden. Dies könnte an der unbequemen Nutzung und zu wenigen Akzeptanzstellen gelegen haben.

In Deutschland kommt eine ausgeprägte Risikoaversion in Bezug auf elektronische Verfahren hinzu: Im privaten Sektor herrscht eine hohe Bargeldpräferenz. Und man könnte noch weiter zurückgehen: Um das Jahr 2000 herum gab es bereits schon einmal einen großen Boom um Cybercash [29] und E-Commerce, wie unter anderem aus dem Beitrag Geschäfte mit Cybercash [30] im SPIEGEL hervorgeht.

Boom in Asien

Mobile Payment ist insbesondere in afrikanischen Staaten und Emerging Markets populär. Das ist kein Wunder, denn in diesen Ländern ist die Telekommunikationsinfrastruktur deutlich besser als die Versorgung mit Banken. Mobile Payment boomt in Asien und vor allem in China und Indien. Im Jahr 2011 wuchs nach einem Report des chinesischen Marktforschungsunternehmen Analysys International das Volumen auf umgerechnet 11,75 Milliarden US-Dollar - und demnach um 67,8 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Die Zahl der Nutzer mobiler Bezahlverfahren stieg auf 187 Millionen Menschen (ein Plus von 26,4 Protzent), wie die Global [31] [31]Times [31] schreibt. Bis ins Jahr 2014 werden 387 Millionen Nutzer erwartet.

Folgt man den hier vorgestellten Studien, dann wird Mobile Payment aber auch in Europa ankommen und zum Mainstream werden. Ich teile jedenfalls die Einschätzung einer rasanten Verbreitung mobiler Bezahlverfahren per Smartphone.

Im dritten Teil dieser Serie [32] werden einige weitere wichtige Spieler vorgestellt. Diese sind dabei, den Point of Sale zu erobern.

--- Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er für die Innovecs GmbH [33] Banken und mittelständische Unternehmen. Daneben betreibt er privat das preisgekrönte [34] Finanzblog Blick Log [35]. Sie erreichen ihn per E-Mail unter dirk.elsner(at)innovecs.de.--- Die letzten Beiträge von Dirk Elsner:

  • Was ist Mobile Payment? [1] (25. Juni 2012)
  • Hoffnungsschimmer in Griechenland? [36] (19. Juni 2012)
  • Hilft die Rekapitalisierung weiter? [37] (11. Juni 2012)
  • Alarmismus der Wirtschaftspresse [38] (5. Juni 2012)
  • Zwischenbilanz der Billionentender [39] (25. Mai 2012)
  • Naive Debatte um Austerität [40] (21. Mai 2012)

Quellen-URL: http://www.cfoworld.de/fokus/finanzplanung/mobile-payment-boomt-asien

Links:
[1] http://www.cfoworld.de/was-ist-mobile-payment
[2] http://t3n.de/magazin/banking-social-media-offene-banken-229496/
[3] http://www.der-bank-blog.de/kommt-die-google-bank/mobile-banking/4368/
[4] http://www.technologyreview.com/business/39830/
[5] http://www.nw-news.de/owl/regionale_wirtschaft/5018524_Japanischer_Riese_kauft_Bankverein-Werther.html
[6] http://www.cbc.ca/news/technology/story/2011/09/06/rogers-bank.html?cmp=rss
[7] http://www.mobile-ecosystem.org/2012/2496/odafone-and-visa-today-announced-a-worldwide-partnership-to-enable-consumers-to-pay-for-goods-and-services-using-their-mobile-phones-instead-of-coins-and-banknotes.html
[8] http://www.ecommerce-lounge.de/kann-sich-amazon-als-payment-anbieter-etablieren-6308/
[9] https://payments.amazon.com/sdui/sdui/personal/webpay/faq
[10] http://www.handelsblatt.com/technologie/it-tk/it-internet/iwallet-patent-kommt-nun-die-ibank/6477442.html
[11] http://www.blicklog.com/2012/03/27/kommt-die-ibank-und-knnte-apple-mit-dem-nchsten-disruptiven-produkt-das-banking-neu-definieren/
[12] http://www.paymentsjobs.com/a/jbb/job-details/674978
[13] http://www.readwriteweb.com/mobile/2012/06/facebook-launches-simple-mobile-payments.php
[14] https://developers.facebook.com/blog/post/2012/06/19/introducing-subscriptions-and-local-currency-pricing/
[15] http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/soziales-netzwerk-facebooks-heimliche-waehrungsrevolution/6786684.html
[16] http://www.mpass.de/
[17] http://de.wikipedia.org/wiki/M-Pesa
[18] http://www.kpmg.com/EE/et/IssuesAndInsights/ArticlesPublications/Documents/2011-mobile-payments-outlook.pdf
[19] http://www.mobilepaymentstoday.com/blog/7670/The-high-stakes-world-of-mobile-payments-Infographic
[20] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Rasantes-Wachstum-beim-mobilen-Bezahlen-1585744.html
[21] http://www.marketresearch.com/Renub-Research-v3619/Mobile-Payment-Users-Worldwide-Countries-6849410/
[22] http://www.ecb.int/events/pdf/conferences/integr_innov/Presentation_Karim_Taga.pdf?20b0880ea67b3ab6ec4b2de38e652e39
[23] http://gigaom.com/2011/07/05/mobile-payments-worth-670-billion-by-2015/
[24] http://www.kpmg.com/UK/en/IssuesAndInsights/ArticlesPublications/Documents/PDF/Issues%20and%20Insights/issues-monitor-technology-february-2012.pdf
[25] http://www.mobilepaymentstoday.com/article/192753/Report-m-payment-volume-to-surpass-900B-by-2015
[26] http://www.bundesbank.de/download/statistik/zahlungsverkehr/zvs_daten.pdf
[27] http://www.wi-mobile.de/fileadmin/wi-mobile/PDF-Dateien/Veroeffentlichungen/Studie%20MobilMedia-Barometer-sept2004.pdf
[28] http://www.wi-mobile.de/fachthemen/mobile-payment.html
[29] http://ddi.cs.uni-potsdam.de/Lehre/e-commerce/elBez2-5/page15.html
[30] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15807580.html
[31] http://www.globaltimes.cn/NEWS/tabid/99/ID/699129/Mobile-payment-grows.aspx
[32] http://www.cfoworld.de/fokus/finanzplanung/square-beherrscht-den-point-sale
[33] http://innovecs.de/
[34] http://finanzblog-award.de/news/
[35] http://www.blicklog.com
[36] http://www.cfoworld.de/hoffnungsschimmer-griechenland
[37] http://www.cfoworld.de/hilft-die-rekapitalisierung-weiter
[38] http://www.cfoworld.de/alarmismus-der-wirtschaftspresse
[39] http://www.cfoworld.de/zwischenbilanz-der-billionentender
[40] http://www.cfoworld.de/naive-debatte-um-austeritaet