Controller und CFO müssen ihren Umgang mit Kunden und Kollegen verbessern. ICV und Controlling-Experte Peter Horváth wollen nun Lebenshilfe leisten.
CFOworld: Herr Professor Horváth, Sie leiten seit einigen Monaten eine so genannte Ideenwerkstatt [1]beim Internationalen Controller Verein (ICV), die sich mit „Verhaltensorientiertem Controlling“ beschäftigt. Ist es nicht selbstverständlich, dass CFOs oder leitende Controller neben ihren Zahlen auch zwischenmenschliche Themen bei ihrer Arbeit beherrschen müssen?
Peter Horváth: Die Praxis zeigt häufig ein anderes Bild. Deshalb wollen wir uns des Themas Verhaltensorientierung annehmen. Wir brauchen mehr wissenschaftlich gestützte Hinweise, wie man das Verhalten der Controller und Finanzchefs und ihrer Kunden einordnen kann (zum Beispiel wie CFO und CIO sich besser verstehen lernen [5]).
CFOworld: Was ist denn ein typisches Controllerverhalten, an dem man arbeiten muss?
Horváth: In Unternehmen werden manchmal aussichtslose Projekte hartnäckig weitergeführt und zu spät aufgegeben. Hier könnte der Controller für mehr Rationalität sorgen. In meiner Stiftung haben wir diesbezüglich gerade die beste Controlling-Dissertation des Jahres 2009 prämiert. Ihr Titel lautet "Eskalation des Commitments bei scheiternden Projekten".
CFOworld: Stellen Controller Sachverhalte zu sehr aus formaler betriebswirtschaftlicher Sicht dar?
Horváth: So ist es. Wir haben in letzter Zeit viele Forschungsarbeiten, die sich mit dem menschlichen Verhalten im betriebswirtschaftlichen Bereich auseinandersetzen. Es gibt inzwischen sogar ein Forschungsgebiet "Behavioural Accounting [8]", welches das Risiko- und Informationsverarbeitungsverhalten des Menschen und dessen Rationalität untersucht.
CFOworld: Wo sehen Sie weitere Schmerzpunkte? Wie könnten Controller erfolgreicher arbeiten?
Horváth: Der wachsende Wettbewerb, kurze Produktlebenszyklen, der Preisdruck und die Globalisierung erhöhen die Anforderungen an das Controlling [4]. Der Controller sollte sich zum Beispiel schon in der Entwicklungsphase eines Produkts stärker einbringen und internationale Standards und lokale Rahmenbedingungen im Rechnungswesen kennen. Hierzu muss er sein Verhalten ändern, indem er neue Sprachen lernt oder sich für andere Mentalitäten und Arbeitsweisen öffnet. Allerdings muss er auch Vorschriften machen können.
CFOworld: Muss der Chief Financial Officer [9] eines Unternehmen auch eine höhere ethische Verantwortung für sein Tun übernehmen als bisher?
Horváth: Nicht mehr als jeder andere. Klar ist aber auch, dass die Zahlen, die er produziert, in dreierlei Hinsicht etwas mit Moral zu tun haben: Die Zahlen müssen der Wahrheit entsprechen, er muss sie korrekt kommunizieren und er muss sich bei der Wahl der Kennzahlen an den Grundsätzen einer gewissenhaften Unternehmensführung halten. Insofern steht der gesamte Zahlenfluss unter dem Oberbegriff Unternehmensethik (auch der Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrats Kurt Lauk fordert eine Verbindung von Ethik und Wirtschaft [7])
CFOworld: Wenn wir einmal auf die Ereignisse der vergangenen beiden Jahre zurückblicken: Wie haben die Wirtschafts- und Finanzkrise und die damit verbundene Kritik an einem ausschließlich am Shareholder Value [10] orientierten Handelns die Ethik-Diskussion beeinflusst?
Horváth: Vor allem die Frage nach der Corporate Social Responsibility [11] wird jetzt auch im Bereich der Finanzen gestellt. Wie kann ich mit Ressourcen sparsam umgehen? Wie kann ich schädliche Umweltwirkungen reduzieren? Meine Strategien müssen hierauf Antworten geben können, damit eine Win-Win-Situation entsteht. Dies beschäftigt derzeit viele Controller.
CFOworld: Und welche Rolle spielt dabei der Customer Value?
Horváth: Der Customer Value ist zunächst einmal der Wert, den ein Kunde meinem Unternehmen zufügt, ein Kapitalwert [12] also. Der englische Begriff impliziert hierzulande aber auch immer wieder den Kundennutzen. Ich denke, dass man das zusammenführen kann: Gelingt es mir, den Kundennutzen zu erhöhen, optimiert sich auch der Kundenwert für mich.
CFOworld: Welche Impulse kann der Finanzbereich geben, um den Kundenwert zu erhöhen?
Horváth: Der Controller kann zunächst den Kundenwert mit Instrumenten wie dem Kapitalwert oder dem Deckungsbeitrag bestimmen. Zweitens kann er heute viel früher in die Generierung eines Kundennutzens einsteigen, indem beispielsweise Kundenwünsche schon beim Design eines Produktes einfließen. Stichworte sind hier „target costing“ und „target valuing“.
CFOworld: Und das Thema Nachhaltigkeit [13]?
Horváth: Viele Unternehmen müssen heute solche Faktoren berücksichtigen, weil ihre Kunden umweltfreundliche Produkte verlangen oder gegen Kinderarbeit sind. Und auch die Motivation von Mitarbeitern wird zunehmend davon beeinflusst, ob sie in einem „sauberen“ Unternehmen tätig sind (siehe das Beispiel PUMA [14]).
CFOworld: Lassen sich dafür Kennzahlen definieren?
Horváth: Nachhaltigkeit exakt zu messen, ist ein großes Ziel. Ein guter Ansatz wäre die Balanced Scorecard [15], die heute schon oft nichtfinanzielle Ziele mit dem EBIT-Ziel vernetzt.
Die Ideenwerkstatt „Verhaltensorientiertes Controlling [1]“ unter Leitung von Prof. Péter Horváth nahm ihre Arbeit im November 2009 ihre Arbeit auf und umfasst aktuell zehn Experten aus Praxis und Wissenschaft. Ziel ist es, aus bisherigen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Set von Regeln im Sinne von „Best Practices“ zu formulieren und sie in die Arbeitskreise des Controllervereins zu vermitteln. Ein Beispiel könnten Empfehlungen sein, wie leitende Controller Zielvereinbarungen mit ihren Mitarbeitern besprechen sollten.
Links:
[1] http://www.controllerverein.com/Ideenwerkstatt.150108.html
[2] http://www.cfoworld.de/32/leadership
[3] http://www.cfoworld.de/172/chief-financial-officer
[4] http://www.cfoworld.de/14/controlling
[5] http://www.cfoworld.de/so-versteht-der-cfo-den-cio
[6] http://www.cfoworld.de/so-frustieren-sie-garantiert-ihr-team
[7] http://www.cfoworld.de/der-cfo-muss-wirtschaft-und-werte-verbinden
[8] http://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:bWurnP66EI4J:www.uni-goettingen.de/de/104832.htmlde/document/download/412bdf7bc8d608b6327f1504ff87d8b7.pdf/rgma_behacc.pdf+Behavvioral+accounting&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEESgltWhCMNUmzZXQ9d4THRMB_BROmzAvDby1ebYBmDgOaIKhRCXorf-LGKP9qEVgG2iDXBQVhBMs4etKpfM4KO9TzfMnH4aJnZbrc7ha0u7aErZ64vfNopvIahqJ0EayYYhdB63u&sig=AHIEtbQ810OBIpuw2qyTu_Km6o0gMwMZaA
[9] http://www.cfoworld.de/172/cfo
[10] http://www.cfoworld.de/566/shareholder-value
[11] http://www.cfoworld.de/685/corporate-social-responsibility
[12] http://www.cfoworld.de/709/kapitalwert
[13] http://www.cfoworld.de/244/nachhaltigkeit
[14] http://www.cfoworld.de/fast-close-bei-puma
[15] http://www.cfoworld.de/die-balanced-scorecard-kommt
[16] http://www.cfoworld.de/forward?path=kleine-verhaltenslehre-fuer-controller
[17] http://www.cfoworld.de/print/kleine-verhaltenslehre-fuer-controller