
Unternehmen organisieren ihr Treasury individuell, die Übergänge zur Konsolidierung, der Finanzplanung und dem Controlling sind fließend. Udo Reuß führt in das Thema ein.
In Zusammenarbeit mit Angela Alexander und Peter Rösch.
Das Treasury steuert Geldströme und Vermögen in Unternehmen - die Königsdisziplin ist wirtschaftlich volatilen Zeiten. Die Abteilung stellt ausreichende Barmittel bereit für das operative Geschäft und die wirtschaftliche Anlage freier Gelder.
Dem Treasury werden in jedem Unternehmen unterschiedliche Aufgaben zuteil. Diese setzen sich aus einer Kombination der folgenden Prozesse zusammen:
Die Übergänge zu Aufgaben der Konsolidierung, der Finanzplanung und dem Controlling sind fließend. Es empfieht sich jedoch eine eindeutige Abgrenzung zum Beteiligungsmanagement, denn hier fließen nicht nur Geld- und Zahlungsströme in die Betrachtung ein, sondern auch Synergieeffekte in Ertrags- und Aufwandspositionen.
Informationen und Simulationen müssen in Echtzeit bereitgestellt werden. Gerade bei internationalen Zahlungsströmen ist die Darstellung von Kurs- und Zinsschwankungen unabdingbar, verbunden mit stündlich neu eingeschätzten Chancen und Risiken. „Über Nacht“ durchgeführte Analysen werden den Anforderungen nicht gerecht.
Treasury setzt ein gewisses Umsatz- und Finanzvolumen voraus. Die Komplexität ergibt sich aus der Struktur des Unternehmens: Treasury kann sowohl in einzelnen Unternehmen als auch in einem Verbund oder Konzern betrieben werden. In letzterem Fall ist es von Vorteil, wenn die Tochternehmen mit beherrschender Mehrheit gehalten werden: Die internen und externen Zahlungsströme sind hierbei eindeutig identifizierbar. Im Kehrschluss wird die Arbeit des Treasury durch Minderheits- oder auch Überkreuzbeteiligungen deutlich erschwert.
Aus der spezifischen Eigentümerstruktur ergeben sich die jeweilgen Berichts- und Publikatonspflichten. Diesen entsprechend müssen eigene Prozesse definiert werden.
Generell muss jedes Unternehmen für sich entscheiden, welche Prozesse im Treasury zutreffen. Aus den besagten Rahmenbedingungen ergibt sich nur ein Teil der Prozesse: Gemäß den eigenen Anforderungen bestehen unter Umständen bereits Prozesse, die erweitert oder in ein zentrales Treasury überführt werden sollen.
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Die folgenden Hinweise zu den einzelnen Prozessen sind exemplarisch und beschreiben den Blick darauf aus der Vogelperspektive.
Die Grundlage einer Liquiditätssteuerung für alle Ein- und Auszahlungen ist eine rollierende Liquiditätsplanung. Ausgangspunkt ist der aktuelle Finanzstatus. Die Fortschreibung als Forecast kann auf unterschiedliche Zeithorizonte pro Monat, Quartal oder Jahr erfolgen. Der entscheidende Steuermechanismus besteht darin, die Auswirkungen von Zahlungsvorschlägen auf die Liquidität zu betrachten.
Bei der Simulation von Auszahlungen werden mögliche Skonti und anfallende Zinsen oder Gebühren berücksichtigt. Damit werden sowohl die Auswirkungen auf die Liquidität als auch auf Aufwand und Erträge der Geldbewegungen betrachtet. Erfolgen Zahlungsströme unter verbundenen Unternehmen erfolgt eine Konsolidierung der internen Zahlungsströme.
Zwischen den Unternehmen eines Verbundes bestehen Verträge, ebenso mit externen Finanziers. In diesen Verträgen werden Volumina, Art der Geldgeschäfte, Konditionen, Chancen und Risiken sowie die Abwicklungsform hinterlegt. Dies können einfache Darlehensverträge mit jährlicher Verzinsung sein, bis hin zu Derivategeschäften zur Kursabsicherung mit komplexen Abwicklungen.
Die eigentlichen Zahlungsströme und die sich daraus ergebenden Anlagepositionen werden über Konten dieser Verträge abgebildet. Sie werden dort sowohl zur Risikobetrachtung als auch zur Zahlungsabwicklung angesteuert.
Die Betrachtung aller Positionen, von ausgereichten Darlehen bis hin zu getätigten Finanzanlagen, bedarf der Bewertung von Chancen und Risiken - also auf Grundlage von Wahrscheinlichkeiten zu termingerechten Rückführungen sowie zu Währungs- oder auch Kursschwankungen.
Dabei werden Szenarien gebildet, die sich hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeiten untscheiden. Aus dieser Bandbreite ergeben sich eine beste und eine schlechteste denkbare Auswirkung - die übrigen Auswirkungen liegen dazwischen. Aus einer eventuell strategisch vorgegebenen Risikostreuung können neue Anlagen oder Abweichungen in den einzelnen Risikoklassen positioniert werden.
Die eigentliche Zahlungen können sowohl über das Treasury als auch über das Cash Management abgewickelt werden. Bei einer zentralen Steuerung der Geldströme wird häufig auch die Zahlungsabwicklung durch das Treasury vorgenommen. Allerdings sollte bewusst sein, dass dabei die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Einzelgesellschaft aufgegeben wird. Eine zentrale Steuerung in einem Unternehmensverbund hat zudem steuerrechtliche Konsequenzen. Darüber hinaus werden internationale Unternehmen durch nationale Gesetzgebung in ihrer Gestaltung des Treasury eingeschränkt.
Eine besondere Ausprägung des Cash Managements ist das Cash-Pooling oder Bankenclearing. Hierbei werden alle einbezogenen Konten zu einem festgelegten Zeitpunkt automatisch ausgeglichen. In der einfachsten Form wird der Gesamtsaldo auf einem Sammelkonto gebündelt, während die übrigen Konten auf Null stehen.
Cash-Pooling kann sowohl durch eine beauftragte Bank als auch durch das eigene Treasurys durchgeführt werden. In der Praxis werden, in Abstimmung mit der kontoführenden Bank, die eigentlichen Zahlungsvorgänge sowohl über ein zentrales Treasury als auch durch die Einzelgesellschaften abgewickelt - beide Ansätze besitzen Relevanz und hängen mit der grundlegenden Organisation des Gesamtprozesses zusammen.
Unternehmen müssen Berichte erstatten. Die Anforderungen ergeben sich einerseits aus dem Rechtskonstrukt des Unternehmens, Verbunds oder Konzerns. Andererseits müssen die Bedürfnisse der Anteilseigner und Finanziers berücksichtigt werden. Die Berichterstattung mit jeder weiteren Interessensgruppe zu - insbesondere wenn Gruppen aus dem europäischen, asiatischen oder angelsächsischen Rechtsraum verschiedenartige Berichte anfordern. Die Berichterstattung geht demnach über diejenigen Beobachtungen der Geldströme hinaus, anhand derer die tagesaktuelle Steuerung erfolgt.
Das Treasury kann durch Software unterstützt werden. Um die geeignete Lösung zu identfizieren, muss die künftige Organisation des Treasury bekannt sein, also die relevanten Prozesse feststehen. Dabei können sowohl im Unternehmen bereits eingesetzte Anwendungsprogramme als auch spezialisierte Zusatz- und Ergänzungsprogramme eingesetzt werden.
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Udo Reuß ist freier Wirtschaftsjournalist.---
Peter Rösch gründete die Ganzheitliche Compliance Rösch & Jansen GbR [2]. Seit dem Jahr 1985 begleitet er Kunden herstellerunabhängig bei der Auswahl und Einführung von Software.---
Angela Alexander ist Partner der Ganzheitliche Compliance Rösch & Jansen GbR [2].---
Links:
[1] http://www.cfoworld.de/sites/default/files/img/2004/reuss_01_2004.png
[2] http://www.ganzheitliche-compliance.de