Finanzmanager lassen Kreditsicherheiten bislang nur selten überwachen oder gar aktiv gestellte Sicherheiten verwalten. Dabei liegt hier bares Geld verborgen.
Die Finanzierungssituation hat sich für viele Unternehmen trotz gesamtwirtschaftlicher Aufhellungen noch nicht wesentlich verbessert. Vielen Unternehmen werden weiter Kredite verweigert oder nur unter erhöhten Anforderungen eingeräumt (zur aktuelle Lage siehe die Untersuchung der KfW [1]).
Dabei stellen Finanzchefs immer häufiger fest, dass für neue Kredite keine ausreichenden Sicherheiten gestellt werden können, weil diese durch andere Finanzierungen bereits belastet sind. Den Banken eingeräumte mobile und immobile Sicherheiten leiden außerdem unter Preisrückgängen und erhöhten Bewertungsabschlägen der Banken (auch droht die Kreditvergabe ingesamt schwieriger zu werden [5]).
Immer wieder fällt in der Praxis auf, dass Kreditinstitute sich schwer damit tun, Sicherheiten für andere Finanzierungsformen freizugeben, wenn sie selbst noch im Obligo sitzen. Es lohnt sich daher frühzeitig, Kreditsicherheiten aktiv zu managen und in guten Zeiten in Sicherheit zu bringen.
Der Überwachung gestellter Sicherheiten (Collateral Management [6]) spielt in der Unternehmenspraxis aber bisher noch eine untergeordnete Rolle. Noch viel zu selten führen Unternehmen zentrale Übersichten oder managen gar aktiv gestellte Sicherheiten. Dabei ist das aktive Collateral Management [6] bares Geld wert.
Viele Unternehmen hätten in ihren Vermögenswerten eigentlich noch ausreichend Reserven für zusätzliche Finanzierungen. Gerade Hausbanken mittelständischer Unternehmen lassen sich aber gern über Kreditsicherungsverträgen mehr Vermögenswerte hinterlegen, als zur Absicherung notwendig sind [7]. Liegen solche Sicherungsvereinbarungen länger zurück, geraten diese aus dem Fokus des Managements und es wird die rechtzeitig Freigabe von Sicherheiten versäumt.
So stehen dann für neue Kredite plötzlich keine Sicherheiten mehr zur Verfügung oder es muss erst über die Freigabe verhandelt werden. Gern wird gerade in angespannten Situationen darauf verwiesen, die Sicherheiten seien nun weniger Wert und die eigenen Darlehen könnten andernfalls nicht ausreichend abgesichert seien.
Die Freigabe wird dann entweder verweigert oder Kreditlinien werden mit der Freigabe reduziert, womit einem Unternehmen ebenfalls nicht gedient ist. In jedem Fall reduzieren gebundenen Kreditsicherheiten den Finanzierungs- und Verhandlungsspielraum.
Insbesondere für größere Unternehmen mit zahlreichen Bankverbindungen, schafft ein systematisches Sicherheitenmanagement mit klaren Verantwortlichkeiten zusätzlichen Finanzierungsspielraum. Zu einem guten Sicherheitenmanagement gehört die Erfassung aller eingesetzten und potentiell nutzbaren Sicherheiten. Dies sind nicht nur bilanziell erfasste Vermögensgegenstände.
So sind in fast jedem Unternehmen Vermögenswerte (z. B. immaterielle Werte [8]) verborgen, deren Bilanzierung nach § 248 HGB [9] weitgehend untersagt ist, sich aber gleichwohl einsetzen lassen. Dazu kommen potentielle Sicherheiten, die außerhalb der Unternehmenssphäre liegen, wie etwa Bürgschaften.
Optimiert werden kann das "Collateral Management" für Unternehmen durch die differenzierte Zurechnung von Sicherheiten. Nicht jeder Kapitalgeber bemisst alle Sicherheiten mit dem gleichen Wert. Je nach Erfahrung, Branchenschwerpunkt und internen Regeln, kommen Finanzhäuser zu sehr unterschiedlichsten Wertansätzen.
Durch die Optimierung wird im Idealfall erreicht, dass die Sicherheiten jeweils bei dem Kapitalgeber "hinterlegt" sind, der ihnen den höchsten Wert beimisst. So können die Kapitalkosten unter sonst gleichen Finanzierungsbedingungen erheblich gesenkt werden, wenn Collaterals jeweils dort hinterlegt werden, wo sie den höchsten Wertansatz erzielen.
Natürlich sollten Sicherheiten nur dann gestellt werden, wenn sie unbedingt erforderlich sind, tatsächlich die Finanzierung erleichtern und ihre Kosten reduzieren. In wirtschaftlich guten Zeiten bzw. immer dann, wenn Kredite nicht vollumfänglich in Anspruch genommen werden, sollte man möglichst zügig die Freigabe von Sicherheiten vereinbaren.
Die Finanzierungspraxis zeigt jedenfalls, dass systematisches Sicherheitenmanagement, das in der Praxis auch die etwa von Kunden erhaltenen Sicherheiten umfassen sollte, den Finanzierungsspielraum erhöht und die Kapitalkosten senkt.
* Dirk Elsner war mehrere Jahre als Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe beschäftigt. Heute berät er für die INNOVECS GmbH [10] Banken und mittelständische Unternehmen. Er ist Autor der CFOworld.
* Mehr Informationen speziell für Credit Manager finden Sie auch beim CFOworld-Partner VfCM [11].
Links:
[1] http://www.cfoworld.de/status-quo-unternehmensfinanzierung
[2] http://www.cfoworld.de/33/management
[3] http://www.cfoworld.de/1/rechnungswesen
[4] http://www.cfoworld.de/kreditvergabe-in-gefahr
[5] http://www.cfoworld.de/kreditvergabe-in-gefahr?page=3
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Collateral_Management
[7] http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumne-weitwinkel/wiebes-weitwinkel-wie-die-banken-wieder-zu-pfandleihern-werden;2561043
[8] http://www.handelsblatt.com/was-der-gute-name-noch-wert-ist;2275513
[9] http://dejure.org/gesetze/HGB/248.html
[10] http://www.innovecs.de/index.php
[11] http://www.credit-manager.de/aktuell/
[12] http://www.cfoworld.de/forward?path=kreditsicherheiten-geschickter-verwalten
[13] http://www.cfoworld.de/print/kreditsicherheiten-geschickter-verwalten