Klemmt es beim Bankkredit oder beim Eigenkaptial kann ein Factoring einen Ausweg eröffnen. Der Verkauf von Forderungen verspricht eine Reihe von Vorteilen.
Viele Unternehmer haben sich bisher vorwiegend über den klassischen Kredit finanziert und sind nun enttäuscht von ihrer Hausbank, wenn es bei neuen Investitionen keine weiteren Darlehen gibt und zusätzliche Sicherheiten oder höhere Konditionen verlangt werden (siehe auch die Umfrage der CFOworld zu den Finanzierungsinstrumenten deutscher Unternehmen) [1].
Auf der Suche nach alternativen Lösungsansätzen stoßen Firmen auf eine ganze Reihe interessanter und oft komplementärer Finanzierungsformen. Diese stellt CFOworld in Zusamenarbeit mit dem Finanzdienstleister Vantargis [7] in den kommenden Wochen im Rahmen einer Serie vor. Zielgruppe sind dabei insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen.
Hatten wir Ihnen im ersten Teil der CFOworld-Serie zur Unternehmensfinanzierung [4] einen schnellen Überblick über die Finanzierungsformen Lease Back und Factoring gegeben, erfahren Sie nun im zweiten Teil, wie Factoring zur fortlaufenden Forderungsfinanzierung funktioniert, was dabei zu bedenken ist und für wen es sich eignet.
Beim Factoring verkauft der Unternehmer fortlaufend seine Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an eine Factoringgesellschaft gegen sofortige Zahlung des Kaufpreises. Beim klassischen Full-Service Factoring sind mit Finanzierung, Versicherung der Forderungsausfälle und Debitorenmanagement sämtliche Aspekte des Factorings in einer Dienstleistung vereint. Je nach Art des Unternehmens und den Gegebenheiten gibt es in der Praxis viele weitere Factoring-Modelle.
Eine beliebte Variante ist zum Beispiel das Ausschnittsfactoring. Dabei können bestimme Kundengruppen wie Schnellzahler im Vorfeld der Zusammenarbeit vom Factoring ausgeschlossen und unnötige Kosten gespart werden. Manchmal kann die Dienstleistung auch nur als stilles Factoring eingesetzt werden. Das wird manchmal notwendig, wenn vor allem große Unternehmen ihren Lieferanten lange Zahlungsziele [8] von 60 oder 90 Tagen vorgeben und diesen dann auch noch durch generelle Abtretungsverbote den Zugang zu Liquidität [9] erschweren. Dabei werden im Gegensatz zum offenen Factoring die Debitoren nicht über die Abtretung der Forderungen an einen Factor informiert.
Bei Bedarf können Factoringunternehmen auch einzelne Debitoren bestimmter Branchen im stillen Factoring abwickeln, alle anderen dann jeweils im offenen Verfahren. Generell ist die Zusammenarbeit im stillen Factoring jedoch durch ein besonderes Vertrauensverhältnis gekennzeichnet, denn der Factor kann nicht einfach beim Debitor anrufen und die Echtheit der Forderungen nachprüfen.
Factoring ist als Dienstleistung in vielen Branchen einsetzbar, aber nicht überall - während zum Beispiel das Baugewerbe aufgrund der Gewährleistungsfrist nur schwer abbildbar ist, sind Verarbeitendes Gewerbe, Personaldienstleister, Transportgewerbe, IT-Unternehmen, Druckereien oder auch Großhandel klassische Kundengruppen.
Bei den meisten Gesellschaften steht die Finanzierung im Vordergrund für den Einsatz von Factoring. Der Unternehmer erhält einen sofortigen Liquiditätszufluss durch den Verkauf seiner Forderungen. Er muss nicht warten, bis der Debitor die ausstehenden Rechnungen begleicht, sondern bekommt rund 80 Prozent der Summe innerhalb von zwei Werktagen ausgezahlt. Die restliche Summe dient als Sicherheitseinbehalt für den Fall, dass der Debitor die Rechnung kürzt und wird abzüglich einer Gebühr ausgezahlt, wenn der Factor die Rechnungssumme erhalten hat.
Die fortlaufende Sicherstellung der Liquidität bringt Vorteile. Ein Unternehmer kann auf diese Weise Rechnungen seiner Lieferanten zeitnah begleichen und so im Einkauf Skonto realisieren. Im Gegenzug kann er seinen Kunden längere Zahlungsziele einräumen, was ihm einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Factoring ist eine umsatzkongruente Finanzierung - der Unternehmer profitiert davon nicht nur im Fall von steigenden Umsätzen, sondern auch bei saisonalen Schwankungen wie beispielsweise in der Konsumgüterbranche.
Neben der Finanzierung übernimmt der Factor auch das Ausfallrisiko der Forderungen (echtes Factoring). Jedes Unternehmen sollte gerade in der aktuellen Wirtschaftslage eine Kreditversicherung haben. Mögliche Zahlungsausfälle sind so versichert, die Gefahr einer Existenzgefährdung durch einen oder mehrere Rechnungsausfälle wird deutlich gemindert.
Gegenstand einer Warenkreditversicherung ist der Versicherungsschutz gegen Ausfälle von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Man spricht auch von Forderungsausfallversicherung. Die Kosten für eine Versicherung sind wesentlich geringer als die Belastungen eines möglichen Forderungsausfalls.
Bei einem Ausfall von beispielsweise 5.000 Euro muss ein Unternehmen mit einer Umsatzrendite von fünf Prozent Mehreinnahmen von 100.000 Euro erzielen, um diesen Schaden wieder auszugleichen. Hier sichern sich Factoringgesellschaften durch den Abschluss einer Warenkreditversicherung im Hinblick auf den jeweiligen Debitor ab. Für jeden Debitor wird ein Ankaufslimit vergeben, bis zu dessen Höhe der mögliche Forderungsausfall durch die Warenkreditversicherung abgedeckt ist. Wird nun ein Debitor zahlungsunfähig, so trägt der Factor dieses Risiko.
Neben Finanzierung und Ausfallschutz ist das Outsourcing des Forderungsmanagements ein weiterer Vorteil für den Einsatz. Dazu gehört neben der Debitorenbuchhaltung auch das Mahnwesen. Der Factor verbucht sämtliche Ausgangsrechnungen und stellt seinen Kunden eine taggenaue Debitorenbuchhaltung zur Verfügung. Sollte doch einmal ein Debitor nicht bezahlen, betreibt die Factoringgesellschaft das Mahn- und Inkassowesen. Factoringkunden sparen durch die Auslagerung Zeit und Geld. Sie wissen, dass das Debitorenmanagement professionell betreut wird und können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.
Factoring ist dank seiner Funktionsweise und Vorteilen für Mittelständler ein wichtiger strategischer Baustein der Unternehmensfinanzierung und ergänzt die klassischen Instrumente wie den Bankkredit. Während jedoch beim Kredit zusätzliche Sicherheiten hinterlegt werden müssen ist das beim Factoring nicht der Fall. Das macht Dienstleistung auch für junge Unternehmen interessant.
Factoring hat sich in den vergangenen Jahren als alternative Finanzierungsart im Mittelstand etabliert und hat jährlich hohe Wachstumsraten. In den letzten 5 Jahren hat sich die Quote des mehr als verdoppelt und lag 2009 bei über 100 Milliarden Euro Factoringgesamtumsatz. Nachfolgend sind noch einmal die wesentlichen Vorteile aufgelistet:
Matthias Bommer ist Geschäftsführer der Vantargis Factoring GmbH [7]
Mail: stiegler@vantargis-factoring.de
Links:
[1] http://www.cfoworld.de/und-das-geld-wird-doch-knapp
[2] http://www.cfoworld.de/33/management
[3] http://www.cfoworld.de/7/cash-management
[4] http://www.cfoworld.de/liquide-auch-ohne-bankkredit
[5] http://www.cfoworld.de/mittelstand-viele-pleiten-bis-zum-aufschwung
[6] http://www.cfoworld.de/tipps-zum-forderungsmanagement
[7] http://www.vantargis-factoring.de
[8] http://www.cfoworld.de/517/zahlungsziel
[9] http://www.cfoworld.de/475/liquiditaetsplanung
[10] http://www.cfoworld.de/forward?path=liquide-durch-factoring
[11] http://www.cfoworld.de/print/liquide-durch-factoring