Auf der Suche nach frischem Kaptial und neuen Finanzierungsformen gewinnen Minderheitenbeteiligungen an Bedeutung. Nachfolgend ein kurzer Überblick.
Der Private-Equity-Markt hat sich 2010 im Verhältnis zum Vorjahr spürbar belebt, verharrt aber auf einem niedrigen Niveau (hierzulande stehen Investitionssummen von etwa 33 Milliarden Euro für den Mittelstand bereit [1]). Nach wie vor profitiert die Branche von vor der Finanzkrise aufgenommenem Beteiligungskapital, mit dem zum Teil europäische Neuinvestitionen 2009 und Anfang 2010 finanziert wurden. Hinzu kommt weiteres Kapital von Family Offices, die sich in den vergangenen Jahren mit Investitionen zurückgehalten haben.
Die Desinvestitionen via Verkauf an einen Finanz- oder strategischen Investor sind auf niedrigem Niveau, die Qualität dieser Beteiligungen ist aber, gemessen am bezahlten EBITDA-Multiplikator, relativ hoch und mit der von 2007 und 2008 vergleichbar. Der gewählte Verschuldungsgrad einer Akquisitionsfinanzierung ist jedoch deutlich geringer.
Einige Private-Equity-Unternehmen und Family Offices suchen neue Wege mit sogenannten Private Investments in Public Equity (PIPE) und Minderheitsbeteiligungen an Portfoliounternehmen. Traditionell bevorzugen PE-Unternehmen die Komplettübernahme der Anteile und Kontrolle.
Minderheitsbeteiligungen sind komplex strukturiert, weil der Investor seine Einflussmöglichkeiten und Ausstiegsvarianten beim Einstieg vertraglich absichern will. In der Regel beträgt die Minderheitsbeteiligung zwischen 25 und 49 Prozent am Eigenkapital [6] des Unternehmens. Sie kann dazu dienen, eine Wachstumsstrategie zu finanzieren oder die Passivseite der Bilanz zu restrukturieren, ohne dass der Mehrheitsgesellschafter die Kontrolle verliert.
Der Investor sichert sich aber über den Katalog zustimmungspflichtiger Geschäfte und die Übernahme eines Aufsichts- oder Beiratsmandats einen gewissen Einfluss. Eine Minderheitsbeteiligung läuft meist über drei bis acht Jahre, deutlich länger als ein typischer Private-Equity-Fonds. Unterschiedliche Beteiligungsmodelle der Kapitalgeber führen häufig dazu, die Minderheitsbeteiligung stetig über die Laufzeit zu verteuern und somit den Ausstieg des Investors herbeizuführen.
Das Instrument der Minderheitsbeteiligung wird weiter an Bedeutung gewinnen, um bestehende Finanzierungen abzulösen und einigen Gesellschaftern oder Familienstämmen den Ausstieg zu ermöglichen. Manche Private-Equity-Gesellschaften und Family Offices wählen diesen Beteiligungsansatz auch bewusst, um sich von anderen Häusern im europäischen Kapitalmarkt zu differenzieren.
Das ist in jenen Ländern von Bedeutung, in denen man der Private-Equity-Finanzierung aufgrund der Heuschrecken-Debatte im mittelständischen Umfeld nach wie vor skeptisch begegnet. Anbieter solcher Minderheitsbeteiligungen sind in den europäischen Finanzzentren London, Frankfurt, Zürich, Genf und Paris vertreten.
*Jan-Dominik Remmen ist Director Financial Advisory Services, Deloitte AG, Zürich
Lesen Sie weitere Beiträge unserer Ratgeberserie zur Unternehmensfinanzierung [4]
Links:
[1] http://www.cfoworld.de/wir-haben-fast-33-milliarden-euro
[2] http://www.cfoworld.de/33/management
[3] http://www.cfoworld.de/7/cash-management
[4] http://www.cfoworld.de/liquide-auch-ohne-bankkredit
[5] http://www.cfoworld.de/es-bleibt-nicht-mehr-in-der-familie
[6] http://www.cfoworld.de/655/eigenkapital
[7] http://www.cfoworld.de/forward?path=minderheitenbeteiligungen-sind-gefragt
[8] http://www.cfoworld.de/print/minderheitenbeteiligungen-sind-gefragt