
Der erfolgreiche Kaufmann ist nicht in der Vergangenheit verhaftet, sondern wägt Künftiges ab. Rudolf X. Ruter über Eugen Schmalenbach und Nachhaltige Unternehmensführung.
„Nur deshalb, weil wir nicht in die Zukunft sehen können und weil wir das für Zukunftsschätzungen nötige Material aus der Vergangenheit gewinnen müssen, hat das Vergangene für unsere Schätzungen Interesse“.
Mit diesem Satz wies Johann Wilhelm Eugen Schmalenbach (geboren am 20. August 1873, gestorben am 20. Februar 1955) als der große Doyen und Begründer der deutschen Betriebswirtschaftslehre als akademischem Lehrfach bereits vor über 80 Jahren darauf hin, dass wir häufig und zu lange in der Vergangenheit verhaftet sind. Der erfolgreiche Kaufmann sollte seine Blicke vielmehr in die Zukunft lenken - mit allen Unsicherheiten und Abwägbarkeiten.
Auch wenn Schmalenbach die moderne Worthülse Nachhaltigkeit in seinen Schriften noch nicht verwendete, hat er Unternehmensführung mit Blick auf die Zukunft verstanden, also in der zeitlichen Dimension nachhaltig ausgestaltet. Hier ist vor allem Mut für den riskant lebenden CFO [1] gefragt, über das Tagesgeschäft oder den Quartalsbericht hinaus zu denken und dem Wichtigen im Zweifel Vorrang vor dem Dringlichen zu geben. Der CFO ist mehr denn je als Navigator gefragt. [1]
Doch nicht nur das Abwägen zwischen kurzfristigen und langfristigen Folgen macht eine nachhaltige Unternehmensführung aus, auch das Verfolgen verschiedener Zieldimensionen, namentlich Gewinnerzielung, Umweltschonung und Mitarbeiterorientierung will ausbalanciert werden. Und auch hier gibt Eugen Schmalenbach schon früh eine Richtung vor:
„Unsere Vorstellung vom Erfolg muss ausgehen von der Natur des wirtschaftlichen Betriebes. Der wirtschaftliche Betrieb ist ein Bestandteil der Gesamtwirtschaft, dazu berufen, zu seinem Teil von den Aufgaben der Gesamtwirtschaft einen Teil zu übernehmen. Als Bestandteil der arbeitsteiligen Gesamtwirtschaft entnimmt er ihr Materialien und andere Leistungen und gibt dafür Fabrikate und andere Leistungen an die Gesamtwirtschaft zurück. Dabei soll ein Mehrwert erzielt werden; denn der Betrieb soll sich mehrend und nicht mindernd an der Gesamtwirtschaft beteiligen“.
Die Betonung liegt auf Mehrwert und nicht auf Wachstum, denn: Wachstum ist nicht alles. [1]
Diesen Mehrwert zu bestimmen ist Aufgabe von uns allen und erfordert einen gesellschaftlichen Dialog darüber, welche Gesamtwirtschaft wir anstreben und inwieweit wir dabei die Perspektive zukünftiger Generationen und anderer Länder berücksichtigen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Und ein drittes und letztes Mal sei auf Eugen Schmalenbach verwiesen: Wenn Unternehmen den von ihm geprägten Begriff des ökonomischen Gewinns in den Blick nehmen, orientieren sie sich auf die in Zukunft nachhaltig erzielbaren Erträge: „Die Werte, die bei der Bewertung von Anlagen eine Rolle spielen können, sind verschiedener Art. Aber nicht alle diese Werte haben die gleiche Bedeutung. Weitaus der wichtigste von ihnen ist der Ertragswert“. Ökonomie und Ökologie sind dabei nicht trennbar [2].
Als Ertragswert gelten dabei die in der Zukunft erwarteten diskontierten Ertragsüberschüsse. Kurzfristiger Gewinn ist nicht alles [3]. Der Blick in die Zukunft, der Mehrwert für die Gesellschaft und nachhaltig erzielbare Erträge machen ein gesundes Unternehmen im Schmalenbach´schen Sinne aus. Transparente, verantwortungsvolle und nachhaltige Unternehmensführung gewinnt zunehmend einen immer höheren gesellschaftlichen Stellenwert. Die gesellschaftliche Aufgabe von Unternehmen besteht darin, Wertschöpfungsprozesse im Sinne eines individuellen und gemeinsamen verantwortlichen Handelns zu organisieren. Neben Regeln und Normen für Manager [2] und CFO können Grundsätze nachhaltiger Unternehmensführung [4] hierbei nur helfen im Sinne einer Chancenverbesserung für ein erfolgreiches Management.
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Grundsätze nachhaltiger Unternehmensführung - Erfolg durch verantwortungsvolles Management
von Edeltraud Günther und Rudolf X. Ruter (Hrsg.)
Siehe hier [5] für weitere Informationen.
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Rudolf X. Ruter ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sowie Leiter des Arbeitskreis „Nachhaltige Unternehmensführung“ in der Schmalenbach-Gesellschaft Betriebswirtschaft e.V. (AKNU [6]). Zudem ist Herr Ruter Mitglied des Beirats Financial Experts Association e.V [7] und im Beirat des Deutschen CSR-Forums [8]. Seine Kolumnen erscheinen regelmäßig auf CFOworld. Mehr zum Autor unter www.ruter.de [9].
--- Die letzten Beiträge von Rudolf X. Ruter:
Links:
[1] http://www.cfoworld.de/wachstum-ist-nicht-alles
[2] http://www.cfoworld.de/regeln-und-normen-fuer-manager
[3] http://www.cfoworld.de/gewinn-ist-nicht-alles
[4] http://www.cfoworld.de/grundsaetze-der-unternehmensfuehrung
[5] http://www.ruter.de/?p=2772
[6] http://www.aknu.org/
[7] http://www.financialexperts.eu/
[8] http://www.csrforum.eu/
[9] http://www.ruter.de/
[10] http://www.cfoworld.de/aufsichtsrat-und-interne-revision
[11] http://www.cfoworld.de/integrated-reporting-es-wird-zeit
[12] http://www.cfoworld.de/csr-ist-jetzt-chefsache