Wachsende Probleme melden deutsche Unternehmen aller Größen bei der Kreditaufnahme und Eigenkaptialquote. Die Anforderungen steigen, manchmal gibt es einfach kein Geld.
Die Unternehmensfinanzierung steht in Deutschland über alle Größenklassen hinweg "vor erhebliche Herausforderungen", so formuliert es jetzt die Unternehmensbefragung 2010 [1]. Verfasser sind die KfW, der BDI, BGA, HDE, ZDH sowie weitere Wirtschaftsverbände, die hierzu im 1. Quartal 2010 über 4000 Unternehmen befragte hatten. Obwohl die Finanzierungsprobleme gravierend seien, betont die KfW auf ein Neues, dass von einer flächendeckenden Kreditklemme nicht die Rede sein könne. Auch planten Unternehmen nach dem massiven Einbruch der Investitionen im Jahr 2009, dieses Jahr wieder mehr Geld in die Hand zu nehmen - wenn denn das Geld fließt.
Tatsächlich besteht denn auch kein Grund für Optimismus oder gar Entspannung bei der Unternehmensfinanzierung. Handelsverbandschef Stefan Genth fasst es so zusammen: "Die Umfrage zeigt deutlich, dass große Teile der Wirtschaft in den Startlöchern stehen, um zu investieren. Doch angesichts der deutlich schlechteren Eigenkapitalsituation bei den Unternehmen und den erheblichen Belastungen für die Kreditinstitute in den kommenden Monaten droht weiter eine Angebotslücke bei der Unternehmensfinanzierung. Die Reserven bei den Unternehmen sind aber ausgereizt. Die konjunkturelle Erholung käme zum Erliegen."
Wie es im Einzelnen in deutschen Finanzabteilungen in punkto Finanzierung, Eigenkapitalaussstattung und Investitionen zugeht, haben die KfW und ihre Partner in der Befragung detailliert zusammengetragen. Nachfolgend stellen wir Ihnen die von der KfW kommentierten [8] zentralen Ergebnisse in 15 Punkten vor:
1. Zwischen dem 1. Quartal 2009 und dem 1. Quartal 2010 hat sich die Finanz- und Konjunkturkrise deutlich negativ auf die Finanzierungsbedingungen ausgewirkt. Zwar berichtet mit 55 Prozent der Unternehmen noch die Mehrheit von gleich bleibenden Bedingungen bei der Kreditaufnahme, doch sahen sich 42 Prozent mit Erschwernissen konfrontiert (bereinigter Vorjahreswert: 35 Prozent). Leichteren Zugang zu Krediten erlangten hingegen lediglich drei Prozent der Umfrageteilnehmer (bereinigter Vorjahreswert: drei Prozent). Gegenüber der Vorjahresbefragung hat sich die Finanzierungssituation der Unternehmen somit nochmals erheblich verschlechtert.
2. Vor allem melden kleine Unternehmen (bis 1 Million Euro Jahresumsatz) mit 50 Prozent sowie große Unternehmen (über 50 Million Euro Jahresumsatz) mit 36 Prozent melden Verschlechterungen beim Zugang zu Krediten. Somit stellt sich die Finanzierungssituation großer Unternehmen gegenüber der Vorjahresbefragung unverändert negativ dar. Aufgrund ihrer stärkeren Exportorientierung wurden sie früher als andere Unternehmen von der Krise erfasst. Dagegen kann bei allen anderen Unternehmensgrößenklassen aktuell eine deutliche Zunahme der Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme festgestellt werden. Dies, sowie die im Vergleich zum Vorjahr wesentlich häufigeren Erschwernismeldungen von Dienstleistungs- (plus 25 Prozent) und Einzelhandelsunternehmen (plus 20 Prozent), sind deutliche Belege dafür, dass die Krise nunmehr auch auf nachgelagerte, stärker binnenorientierte Unternehmen ausstrahlt (schon im vierten Quartal 2009 sank die Kreditvergabe dramatisch [6]).
3. Mitte April 2010 befragte die KfW zusätzlich Finanzierungsexperten der teilnehmenden Wirtschaftsverbände zur aktuellen Finanzierungssituation. Demnach sehen im Vergleich zu zurückliegenden Quartalsbefragungen ein Drittel weniger Experten eine weitere Verschlechterung bei der Kreditaufnahme. Dies kann laut KfW als Anzeichen für eine leichte Entspannung der Finanzierungssituation gedeutet werden. Große Einigkeit herrscht bei den Befragten darin, dass bis zum aktuellen Rand ein Unternehmen mit mittlerer Bonität [9] keine grundsätzlichen Schwierigkeiten hat, einen Kredit zu erhalten. Somit kann auch aus Sicht der Experten nach wie vor nicht von einer allgemeinen Kreditklemme gesprochen werden, erinnert die KfW (dennoch hatte das Institut vor gar nicht langer Zeit in diese Richtung argumentiert [5]).
4. Die Hauptgründe, welche die Unternehmen für Erschwernisse beim Kreditzugang anführen, sind wie im Vorjahr vor allem höhere Anforderungen an die Dokumentation von Vorhaben (86 Prozent), die Offenlegung von Informationen (83 Prozent) sowie steigende Forderungen nach Sicherheiten (82 Prozent). Die gegenüber allen Kundengruppen gestiegene Risikosensitivität der Kreditinstitute zeigt sich daran, dass diese Erschwernisse häufiger als im Vorjahr genannt wurden und Unterschiede in der Betroffenheit – anders als in den Vorjahren – zwischen den verschiedenen Unternehmensgruppen kaum noch festgestellt werden können.
5. Probleme, überhaupt noch einen Kredit zu bekommen, werden mit 46 Prozent unverändert häufig als Grund für einen erschwerten Kreditzugang genannt. Dagegen kommt steigenden Zinsen – mit 53 Prozent der von Erschwernissen berichtenden Unternehmen – eine geringere Bedeutung als im Vorjahr zu. Allerdings werden steigende Zinsen von 57 Prozent der kleinen Unternehmen (bis eine Million Euro Jahresumsatz) sowie 65 Prozent der großen Unternehmen (über 50 Million Euro Jahresumsatz) – entgegen dem allgemeinen Trend [10] – besonders häufig als Erschwernis wahrgenommen. Der Grund hierfür dürfte laut KfW in Anpassungen der Risikomargen aufgrund von Ratingverschlechterungen insbesondere bei Unternehmen dieser Größenklassen zu finden sein.
6. Probleme, überhaupt noch einen Kredit – selbst zu ungünstigeren Konditionen – zu bekommen, werden von den sehr kleinen, von Erschwernissen betroffenen Unternehmen mit 61 Prozent, 3½-mal so häufig genannt als von den großen Unternehmen. Während bei den kleinen Unternehmen somit häufiger der grundsätzliche Kreditzugang infrage steht, überwiegen bei den großen Unternehmen steigende Zinsen als Erschwernis bei der Kreditaufnahme. Dies deutet darauf hin, dass je größer ein Unternehmen ist, desto eher der Kreditzugang durch Margenanpassungen offen gehalten werden kann.
7. Während noch in der Vorjahresbefragung mehr Unternehmen von Verbesserungen als von Verschlechterungen ihrer Ratingnote berichtet haben, ist dieser Saldo laut Umfrage mit 28 Prozent Verschlechterungs- und 23 Prozent Verbesserungsmeldungen deutlich ins Negative gekippt.
Neben den Unternehmen mit bis zu 1 Million Euro Jahresumsatz (29 Prozent) müssen mit einem Anteil von 35 Prozent vor allem große Unternehmen (über 50 Million Euro Jahresumsatz) Verschlechterungen ihrer Bewertung hinnehmen. Die Vervierfachung des Anteils der Verschlechterungsmeldungen bei den großen Unternehmen seit 2007 verdeutlicht die starke Krisenbetroffenheit großer Unternehmen und erklärt den ungewöhnlich hohen Anteil der Unternehmen in dieser Größenklasse, die von einem schwierigeren Kreditzugang berichten.
8. Auswirkungen der Krise auf die Eigenkapitalausstattung können vor allem bei kleinen Unternehmen (bis eine Million Euro Jahresumsatz) und Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes festgestellt werden. 29 Prozent der kleinen Unternehmen sowie 31 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes melden sinkende Eigenkapitalquoten.
9. Auch das Investitionsklima hat sich gegenüber den Vorjahren deutlich abgekühlt. Rund die Hälfte der großen Unternehmen (über 50 Million Euro Jahresumsatz) sowie der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes haben laut Umfrage ihre Investitionstätigkeit zurückgefahren. Kleine Unternehmen (bis eine Million Euro Jahresumsatz) erweisen sich bezüglich der Investitionstätigkeit dagegen als Stabilisierungsfaktor in der Krise: Sie haben mehrheitlich ihre Investitionstätigkeit nochmals ausgedehnt.
10. Auf Investitionen wird insgesamt vor allem aufgrund der schlechten konjunkturellen Situation und weniger aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten verzichtet. Über alle Unternehmen hinweg nennen 24 Prozent die Wirtschaftslage und nur 14 Prozent Finanzierungsschwierigkeiten als Grund für ihre Investitionsunterlassung. Allerdings werden Finanzierungsschwierigkeiten (26 Prozent) und die wirtschaftliche Situation (25 Prozent) von kleinen Unternehmen (bis eine Million Euro Jahresumsatz) gleich häufig als Investitionshindernis genannt. Mit 28 Prozent verzichten dagegen große Unternehmen vorrangig aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage auf Investitionen. Finanzierungsschwierigkeiten als Investitionshindernis wird nur von 4 Prozent dieser Unternehmen genannt.
11. Die auf nunmehr 28 Prozent gestiegene Ablehnungsquote von Investitionskrediten spiegelt die deutlich gestiegene Risikosensitivität der Kreditinstitute wider. Vor allem der Anteil der großen Unternehmen mit Kreditablehnungen ist mit +50 Prozent Zuwachs gegenüber der Vorjahresbefragung stark angestiegen. Allerdings müssen kleine Unternehmen (bis eine Million Euro Jahresumsatz) mit einem Anteil von 42 Prozent nach wie vor wesentlich häufiger Kreditablehnungen hinnehmen als große Unternehmen mit einem Anteil von 15 Prozent.
12. Die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen wird dadurch unterstrichen, dass bei Kreditablehnungen aktuell viel häufiger als noch im Vorjahr geplante Investitionen nur mit Abstrichen vorgenommen werden können. So hat sich der Anteil der Unternehmen, bei denen von einer Kreditablehnung keine negativen Folgen auf die Investitionen ausgehen, mit 16 Prozent gegenüber der Vorjahresbefragung nahezu halbiert.
13. Nachdem in der aktuellen Erhebung deutlich mehr Unternehmen ihr Investitionsvolumen verringert als erhöht haben, planen für 2010 ungefähr gleich viele der Befragten eine Ausweitung wie Kürzung ihrer Investitionen. Insbesondere sehen jene Unternehmen wieder zuversichtlicher in die Zukunft, die im zurückliegenden Jahr ihre Investitionsanstrengungen besonders stark zurückgefahren hatten. So überwiegt bei den größeren Unternehmen im Saldo der Anteil der Befragten, die planen ihr Investitionsvolumen zu steigern. Auch steigen im Verarbeitenden Gewerbe (plus 52 Prozent gegenüber der Vorjahresbefragung) sowie im Groß- und Außenhandel ( plus 56 Prozent gegenüber der Vorjahresbefragung) die Anteile der Unternehmen, die ihre Investitionen ausweiten möchten.
14. 35 Prozent der investierenden Unternehmen fragen Fördermittel nach. Dabei werden Fördermittel der KfW Bankengruppe mit 53 Prozent der eine Förderung beantragenden Unternehmen am Häufigsten nachgefragt.
15. Während Bundes- (ohne KfW) und Landesmittel vor allem von größeren Unternehmen sowie Unternehmen aus den neuen Bundesländern nachgefragt und das Angebot der Bürgschaftsbanken vorrangig von kleineren und jüngeren Unternehmen genutzt werden, zeigt sich für die KfW-Programme insgesamt ein breiter Einsatz über alle Unternehmenssegmente, wie Größenklassen, Branchen oder etwaiger Handwerkszugehörigkeit.
Links:
[1] http://www.kfw.de/DE_Home/Presse/Pressekonferenzen/Unternehmensbefragung_2010.jsp
[2] http://www.cfoworld.de/33/management
[3] http://www.cfoworld.de/7/cash-management
[4] http://www.cfoworld.de/1/rechnungswesen
[5] http://www.cfoworld.de/kreditklemme-die-kfw-schlaegt-alarm
[6] http://www.cfoworld.de/kreditvergabe-sinkt-dramatisch
[7] http://www.cfoworld.de/war-s-das-jetzt
[8] http://www.kfw.de/DE_Home/Presse/Pressekonferenzen/PDF-Dokumente_2010/Unternehmensbefragung_2010_Kurzfassung.pdf
[9] http://www.cfoworld.de/612/bonitaet
[10] http://www.cfoworld.de/492/trendprognose
[11] http://www.cfoworld.de/forward?path=status-quo-unternehmensfinanzierung
[12] http://www.cfoworld.de/print/status-quo-unternehmensfinanzierung