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Konjunktur und Finanzierung

War’s das jetzt?

Das neue Jahr sendet widersprüchliche Konjunktursignale an CFO und Finanzabteilungen. Hat nun der Aufschwung wirklich eingesetzt oder nicht? Ein Kommentar zur Lage.

von Martin Hagleitner, Malik Management Zentrum, am 10. März 2010

Nach dem tiefgreifenden Rezessionsjahr 2009 fangen Ökonomen, Analysten und Wirtschaftsforscher dieser Tage wieder an, Prognosen aufzustellen. Dabei arbeiten sie im Wesentlichen mit denselben Daten und Modellen wie bisher – die Schlußfolgerungen aber könnten nicht unterschiedlicher sein (siehe beispielsweise die Konjunkturprognosen für die Weltwirtschaft des ifo Instituts [1]).

Mehr zum Thema

  • Strategie [2]
  • Chief Financial Officer [3]
  • Finanzplanung [4]

Weitere Beiträge

  • 2010 geht´s aufwärts [5]
  • 50 CFOs und ihre Pläne für 2010 [6]
  • Beratermarkt 2010 - Chancen und Risiken [7]

Auftragsprognosen oder Marktanalysen?

Das Diagnosespektrum reicht von „Die Krise ist vorüber“ bis hin zu „Das Schlimmste steht uns noch bevor“. Diese Artenvielfalt kommt daher, dass hinter den Prognosen einerseits „Auftragsmeinungen“ und Einzelinteressen und andererseits Denkmuster und Vereinfachungen aus der Vorkrisenzeit stehen.

 

Doch weder das Eine noch das Andere sollte die Zukunft bestimmen. Die eine valide und richtige Prognose gibt es zwar nicht, doch können einer robusten Diagnose von Finanz- und Realwirtschaft folgende rationale Überlegungen zugrunde gelegt werden.

 

Nachfrage mit zeitlicher Verzögerung

 Auftrags- und Umsatzrückgänge, zurückgestellte Investitionen und Innovationen werden ihre Wirkung auf Nachfrage, Unternehmensinsolvenzen und Arbeitslosigkeit erst mit zeitlicher Verzögerung zeigen (der deutsche Maschinenbau hat allerdings schon den Aufschwung abgeblasen) [8]. In Deutschland wurde zuletzt die Bewältigung der Krise durch Kurzarbeit gelobt, langsam aber werden die ersten Ausstiegsprobleme deutlich. Einen möglichen weiteren Rückgang an privater Nachfrage und Konsum können diesmal weder hochverschuldete Staaten noch großzügige Notenbanken ausgleichen.

 

Mit billigstem Geld zur nächsten Bubble?

Suche nach Wachstumsfeldern

Noch ist nicht einschätzbar, ob die Rallyes an den Asset-Märkten von Aktien bis zu Rohstoffen nur die Rückkehr zu Wachstum und gewaltige realwirtschaftliche Potenziale vorwegnehmen oder den mit billigstem Geld getriebenen Veranlagungsdruck zur nächsten Bubble führen. Verbriefungen und undurchsichtige Derivate [9] erfreuen sich bereits wieder wachsender Beliebtheit.

 

Das Platzen weiterer Blasen oder böse Überraschungen würden nicht nur die ohnehin gedämpfte Zuversicht an den Märkten belasten sondern auch Firmen den Zugang zu Finanzierung erschweren und teurer machen (siehe auch die CFOworld-Series zur Unternehmensfinanzierung jenseits der Bankkredite) [10].

 

Auch ohne Krise nicht überlebensfähig

Bestehende Überkapazitäten, staatliche Beihilfen und verlängerte oder noch nicht fällig gestellte Kredite verzögern eine Strukturbereinigung von Firmen, die auch ohne Krise mittelfristig nicht mehr lebensfähig waren. Hier gilt nach Warren Buffet  "wenn die Flut weicht, zeigt sich wer nackt geschwommen“ ist.

 

Deflation statt Inflation

Obwohl allgemein Inflation beschworen wird, sprechen Überkapazitäten und Preisrückgänge ebenso eher für Deflation und damit verlängerte Herausforderungen wie auch der Umstand, dass Geld den wirtschaftlichen Kreislauf derzeit nur begrenzt erreicht.

Anhaltender Preisdruck und ein Sinken der Sachwerte von Aktien bis Immobilen gekoppelt mit steigendem Nachbesicherungsdruck verlängert die Rezession aber auch Übernahmechancen.

 

Wachstumsfelder erkennen

Während 2009 stark von Liquiditätssicherung [11] und Kostensenkungen geprägt war und die Jahresergebnisse aufgrund von Produktivitätssteigerung oder Sondereffekten noch passabel waren, sind Umsatzrückgänge nicht dauerhaft verkraftbar. Selektives Wachstum – realistischerweise nur dort wo bereits ausgewiesene Stärken bestehen - ist entscheidend (siehe auch die Pläne von 50 CFOs für dieses Jahr [6]).

 

Weder voreilig ausgerufene Siege oder Zweckoptimismus noch weitere Froststarre und Resignation sind angebracht. Entscheidend ist entschlossenes und unternehmerisches Handeln, um allenfalls auch für eine geraume Zeit mit Weniger mehr zu machen (viele Führungskräfte in Europa sind optimistische für 2010 [5]). Das kann auch den öffentlichen Bereich und den Einzelnen nicht ausnehmen, auch hier ist die Transformation von Anspruchsgruppen zu Leistungsträgern überfällig.

 

Martin Hagleitner, Geschäftsführer Österreich, Malik*Dr. Martin Hagleitner ist Partner & Geschäftsführer Österreich des  Malik Management Zentrum St. Gallen

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Quellen-URL: http://www.cfoworld.de/war-s-das-jetzt

Links:
[1] http://www.cfoworld.de/klimawandel-in-den-volkswirtschaften
[2] http://www.cfoworld.de/34/strategie
[3] http://www.cfoworld.de/172/chief-financial-officer
[4] http://www.cfoworld.de/15/finanzplanung
[5] http://www.cfoworld.de/2010-geht-s-aufwaerts
[6] http://www.cfoworld.de/50-cfos-und-ihre-plaene-fuer-2010
[7] http://www.cfoworld.de/beratermarkt-2010-chancen-und-risiken
[8] http://www.cfoworld.de/maschinenbau-2010-kein-wachstum
[9] http://www.cfoworld.de/592/derivate
[10] http://www.cfoworld.de/liquide-auch-ohne-bankkredit
[11] http://www.cfoworld.de/548/liquiditaetssicherung
[12] http://www.cfoworld.de/forward?path=war-s-das-jetzt
[13] http://www.cfoworld.de/print/war-s-das-jetzt