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Business Knigge USA

Weiche Schale, harter Kern

Amerikaner sind oberflächlich und jedermanns Freund – so das Vorurteil gegen unsere wichtigen Business Partner. Doch dieser Glaube kann Sie im Geschäft aufs Glatteis führen.

27. Apr 2010 von Alexa v. Busse

Wir sind die Kokosnuß, die Amerikaner der Pfirsich. Na, wissen Sie, was gemeint ist? Klar - einer der größten Unterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern: Die Schale und der Kern. Während wir uns hierzulande erst spät, aber dann richtig öffnen, wirkt der Amerikaner von Anfang an sehr zugänglich und freundschaftlich. Doch richtige Freundschaften zu schließen, ist nicht so einfach. Wollen Sie gar nicht? Müssen Sie auch nicht. Aber viele lassen sich von der lockeren und herzlichen Atmosphäre gleich zu Anfang auf ein Parkett ziehen, auf dem sie nicht gewohnt sind zu tanzen. Wer sich hier gut bewegen will, sollte die folgenden Stolperfallen [1] unbedingt umsteppen.

Die Begrüßung

Auch ein Amerikaner begrüßt Sie normalerweise mit einem „Good Morning“ oder „Hi“, setzt dann aber meist noch ein „How are you?“ – „Wie geht es Ihnen?“ – hinzu. Ein Deutscher antwortet daraufhin meist „Ach, ganz gut, viel Verkehr, und der Sommer könnte sich jetzt auch mal melden, das geht einem ja langsam auf die Nerven.“ Doch das ist dem Amerikaner schon viel zu direkt. Die Frage nach dem Befinden ist tatsächlich nur ein Begrüßungszusatz und sollte mit einem „Fine, thank you“ beantwortet werden. Erst danach wird in den Smalltalk eingestiegen.

Duzen oder Siezen

In vielen Fällen geht man nach einer kurzen Vorstellung dazu über, sich mit dem Vornamen anzureden. Das lädt aber nicht dazu ein, sich kumpelhaft zu benehmen. Das „you“ wird in Amerika genauso gebraucht wie unser „Sie“, bewahren Sie also die Seriosität. Stellen Sie Ihren amerikanischen Geschäftspartner vor, haben Sie immer den Titel im Hinterkopf. Ein CFO wird in Amerika auch als solcher präsentiert, es kann also durchaus heißen „May I present Chief Financial Officer [2] Brian Parker“. Dazu gehört ein kurzer einleitender Satz, der beinhaltet, warum Herr Parker in Deutschland ist oder wofür er bekannt ist. Amerikaner heben an dieser Stelle gerne besondere Leistungen hervor, was wir Deutschen oft als Lobhudelei empfinden.

Das Mysterium "Visitenkarte"

Der Smalltalk

Während wir sehr gerne über Reiseverkehr und Wetter sprechen, kommt man bei Amerikanern mit Hobbys und Sportthemen gut an. Politische Meinungen gehören nicht hierher. Auch wenn Ihr Gegenüber die amerikanische Politik verbal zerfetzt, halten Sie sich zurück.

 

Die Visitenkarte

Die Visitenkarte ist schon fast ein „Knigge-Manifest“. Zu keinem Thema wurde sich in Schulungen zu interkultureller Kommunikation in den letzten Jahren mehr geäußert. Wahrscheinlich wegen des chinesischen Vormarsches auf die internationalen Märkte glaubt inzwischen jeder, dass Visitenkarten nur beidhändig angenommen und dann minutenlang studiert werden müssen. In diesem Fall ist das nicht so. Nehmen Sie die Karte Ihres amerikanischen Geschäftspartners ganz natürlich an, würdigen Sie sie eines kurzen Blickes und stecken Sie sie dann ganz einfach zügig weg.

 

"I am engaged" - Das Vokalproblem

Die Sprache

Deutsche meinen, was sie sagen, die deutsche Sprache ist sehr direkt. Deshalb müssen wir uns in der Kommunikation mit Amerikanern zurückhalten. Was für die Begrüßung gilt, gilt für die gesamte Kommunikation: Positives hervorheben, Negatives zwischen die Zeilen auslagern. Fehler direkt anzusprechen ist nicht üblich, Gespräche mit schönen Floskeln anzureichern dagegen schon. Das ist es, was wir als oberflächlich wahrnehmen, für Amerikaner aber ihre Art der Verständigung bedeutet. Daher beachten Sie: Werden Sie eingeladen, folgen Sie dieser Einladung nie, wenn es nicht einen konkreten Termin gibt. Ein bloßes Besuchsangebot ist eine einfache Nettigkeit und keine echte Einladung.

 

Die Vokabeln

Es ist nicht nötig, dass Sie perfektes Englisch sprechen – das gilt für Manager weltweit. Doch es gibt ein paar Vokabeln, die Sie falsch benutzt in peinliche Situationen bringen können:

„engaged“ heißt nicht sich zu engagieren, sondern verlobt zu sein. Die richtige Redewendung ist „to get involved with sth.“.

„Chef“ wird in der Küche, aber nicht in Unternehmen verwendet. Dort heißt es „boss“ oder „chief“.

Das „bureau“ ist nicht gleichzusetzen mit dem „office“. Ersteres meint eine Dienststelle, eine Abteilung oder ein Amt und nicht das gemeinte Büro.

Und eine „Billion“ ist keine Billion, sondern eine Milliarde. Eine Billion wird mit „Trillion“ übersetzt, also müssen Sie ab der Milliarde ein Etage höher denken.

Den Colt zur Hand - Die Tischmarnieren

Das Geschäftsessen

Falls Sie zum Essen verabredet sind, seien Sie stets pünktlich – an dieser Stelle sind sich Deutsche und Amerikaner sehr ähnlich. Nehmen Sie außerdem immer eine Krawatte mit, in gehobenen Restaurants ist die oft Pflicht. Grundsätzlich müssen Sie dann nur noch wenig beachten, denn Amerikaner empfinden unsere Eßgewohnheiten mit beiden Händen und den Ellenbogen am Körper als sehr ästhetisch. Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn ein Geschäftspartner sein Essen erst in Häppchen schneidet und die Gabel anschließend in die rechte Hand nimmt. Dieses Verhalten stammt noch aus Zeiten des Unabhängigkeitskrieges, als der Colt schnell zur Hand sein musste und man als England-Befürworter galt, wenn man mit beiden Händen aß. Falls Sie zwischendurch verschwinden müssen, fragen Sie nicht nach den „restrooms“. „Toilets“ werden als unappetitlich empfunden. Beim Verlassen des Restaurants lassen Sie Ihre Serviette auf dem Stuhl, nicht neben dem Teller liegen.

 

Mehr Knigge

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Quellen-URL: http://www.cfoworld.de/weiche-schale-harter-kern

Links:
[1] http://www.cfoworld.de/der-internationale-business-knigge-0
[2] http://www.cfoworld.de/kopf-an-kopf-im-maerz
[3] http://www.haufe.de/
[4] http://www.cfoworld.de/der-internationale-business-knigge