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Benchmarks für die Finanzabteilung

Wie teuer ist Ihr Einkaufsprozess?

Die Effizienz Ihrer Finanzorganisation zeigt sich an Prozessen wie der vom Einkauf bis zu Zahlung bzw.Procure-to-Pay. Lesen Sie, wie gut und teuer Ihre internationale Konkurrenz ist.

von Alexander Vocelka und Steven Tran, am 11. Mai 2010

Im der kommenden Zeit  finden Sie exklusiv auf CFOworld ausgewählte Benchmarking-Ergebnisse, mit denen Sie die Leitungsfähigkeit und die Kosten Ihrer Finanzabteilung international vergleichen können.

Mehr zum Thema

  • Management [1]
  • Controlling [2]
  • Rechnungswesen [3]

Weitere Beiträge

  • Benchmarks für Ihre Prozesse im Treasury [4]
  • Wie effizient ist Ihre Finanzabteilung? [5]
  • IT-Benchmarking - Best Practices [6]

 

In Kooperation mit APQC [7] (American Productivity and Quality Center) greift die IBM [8]dabei auf fundierte Datengrundlagen zurück, um wesentliche Kennzahlen für die Unternehmensfunktion des Finanz- und Rechnungswesens darzustellen. Die Serie soll sowohl einen aktuellen Überblick über die Leistungsindikatoren im Branchenvergleich geben, als auch prinzipielle Ansätze zu deren Verbesserung nennen (siehe auch unsere Benchmarking-Serie über Kosten und Prozesse im Treasury [4])..

 

Die Beiträge der Reihe umfassen die folgenden Benchmarking-Schwerpunkte:

• Teil 1: Financial Reporting [5] (bereits erschienen)

• Teil 2: End-to-end: Procure-to-Pay

• Teil 3: End-to-end: Order-to-Cash

• Teil 4: Working Capital Management [9]

 

Entlastung der Finanzfuktion

Der zweite Teil der Serie beleuchtet den End-to-End Prozess „Procure-to-Pay“ (von Einkauf bis Zahlung). In ihm ist definitionsgemäß der CFO für den Teilprozess "Pay" verantwortlich, doch gelingt eine optimale Prozesssteuerung nur dann, wenn der Finanzexperte den gesamten Ablauf im Blick behält, wie dies in der Praxis bereits oft der Fall ist.

Procure-to-Pay bietet wesentliche Voraussetzungen für ein aussagefähiges Benchmarking und eine problemlose Einführung. Die Gründe im Einzelnen:

  •  Zu den Unternehmenszielen gehören häufig Vorgaben wie Effizienzsteigerung und Kostensenkung. Diese Vorgaben können strukturiert bis auf einzelne Prozessschritte des Procure-to-Pay herunter gebrochen werden, zum Beispiel durch eine einheitliche Vorgabe von Zahlungsbedingungen oder die Nutzung von bestimmten unterstützenden Systemen.
  • Der Prozess des Procure-to-Pay ist heute weitgehend standardisiert. Es herrscht ein allgemeines Verständnis darüber, welche Kennzahlen wesentlich sind. Unternehmen haben damit die Möglichkeit, mit allgemein gültigen und vergleichbaren Kennzahlen ihre eigene Performance mit anderen Unternehmen zu vergleichen.

Wird also Procure-to-Pay weiter optimiert, so trägt dies zur Effizienzsteigerung der Finanzfunktion bei, da sie sich von operativen Lasten befreien kann, die innerhalb der Organisation kaum als wertsteigernd wahrgenommen werden.

Die Prozessschritte bei Procure to pay

Procure-to-Pay umfasst definitionsgemäß alle Einkaufsschritte von der Bestellung, ihrer Anlage und Prüfung, über den Wareneingang, den Rechnungseingang, der Rechnungsprüfung [10] bis hin zur Rechnungsfreigabe und letztendlichen Zahlung.

Die Verantwortung, Ausgestaltung und die generelle Definition einzelner Prozessschritte sind sehr unterschiedlich geregelt. Sei es die zentrale oder dezentrale Anlage von Bestellungen, die Notwendigkeit der Registrierung des Wareneinganges oder die Freigabeprozeduren für Rechnungen: Da es nur wenige Gemeinsamkeiten bei der Definition einzelner Prozessschritte in den Unternehmen gibt, ist die Zuhilfenahme von Benchmarking-Kennzahlen in vielen Fällen sehr leicht möglich, um den Prozess Procure-to-Pay effizienter zu gestalten.

Benchmarks im Einkauf

Der Median gibt den Performance-Wert für die Untersuchungseinheit an, die die jeweiligen Einheiten trennt: 50 Prozent mit besserer Performance und entsprechend 50 Prozent mit schlechterer Performance.

Der Benchmark gibt den Performance-Wert wieder, der die besten 20 Prozent der untersuchten Einheiten vom Rest trennt.

Teilprozess Procure

Median (Benchmark)

PROCURE

 

GesamtEnergieFinanz und VersicherungPublic
Kosten    

Kosten des Prozesses „Procure Materials and Services“ pro eine Million US-Dollar Umsatz

4,57$

(1,30$)

*)*)0,82$ (0,25$)
Durchlaufzeiten    
Komplette Erstellung einer Purchase Order (in Stunden)
8 (1)11 (2)32 (8)3 (2)
Elektronisch freigegebene Purchase Orders
15% (100%)95% (100%)
*)8 (3)
Effizienz    
FTEs im Prozess „Procure Materials and Services“102,68 (29,93)88,89 (29,93)
*)6,77 (2,42)

FTE - Full Time Equivalent (Vollzeitäquivalent)

*) keine signifikante Grundgesamtheit vorhanden

 

Fortsetzung

Median (Benchmark)

PROCURE

 

GesamtInformation und Kommunikation
FertigungRetail
Kosten    

Kosten des Prozesses „Procure Materials and Services“ pro eine Million US-Dollar Umsatz

4,57$

(1,30$)

*)6,21$ (2,05$)
*)
Durchlaufzeiten    
KOmplette Erstellung einer Purchase Order (in Stunden)
8 (1)15 (1)6 (1)12 (2)
Elektronisch freigegebene Purchase Orders
15% (100%

87%

(100%)

10% (100%)
30% (100%)
Effizienz    
FTEs im Prozess „Procure Materials and Services“102,68 (29,93)*)107,65 (37,13)
108,39 (29,62)

FTE - Full Time Equivalent (Vollzeitäquivalent)

*) keine signifikante Grundgesamtheit vorhanden

 

Fortsetzung

Median (Benchmark)

PROCURE

 

GesamtDienstleistungen
Transport und Logistik
Kosten   

Kosten des Prozesses „Procure Materials and Services“ pro eine Million US-Dollar Umsatz

4,57$

(1,30$)

1,75$ (0,85$)
*)
Durchlaufzeiten   
KOmplette Erstellung einer Purchase Order (in Stunden)
8 (1)14 (2)18 (3)
Elektronisch freigegebene Purchase Orders
15% (100%

50%

(100%)

50% (100%)
Effizienz   
FTEs im Prozess „Procure Materials and Services“102,68 (29,93)111,67 (13,71)
30,52 (10,36)

FTE - Full Time Equivalent (Vollzeitäquivalent)

*) keine signifikante Grundgesamtheit vorhanden

 

Benchmarks bei der Zahlungsabwicklung

Median (Benchmark)

PAY

 

GesamtEnergieFinanz und VersicherungPublic
Kosten    

Kosten des Prozesses „Process Accounts Payable“ pro eine Million US-Dollar Umsatz

0,74$

(0,20$)

0,16$ (0,07$)
0,59$ (0,10$)
1,09$ (0,26$)
Durchlaufzeiten    
Rechnungseingang bis Zahlungsvorschlag (in Tagen)
7,5 (3)10 (6)5,5 (3)10 (7)
Rechnungsposition mit fehlerfreier Zuordnung
64% (94%)32% (66%)
17% (55%)
29% (89%)
Effizienz    
FTEs im Prozess „Process Accounts Payable“13,26 (5,32)3,12 (1,23)
8,43 (3,09)
12,75 (4,55)

FTE - Full Time Equivalent (Vollzeitäquivalent)

*) keine signifikante Grundgesamtheit vorhanden

 

Fortsetzung

Median (Benchmark)

PAY

 

GesamtInformation und Kommunikation
FertigungRetail
Kosten    

Kosten des Prozesses „Process Accounts Payable“ pro eine Million US-Dollar Umsatz

0,74$

(0,20$)

*)
0,82$ (0,27$)
0,44$ (0,15$)
Durchlaufzeiten    
Rechnungseingang bis Zahlungsvorschlag (in Tagen)
7,5 (3)10 (7)7,1 (3,2)7 (4)
Rechnungsposition mit fehlerfreier Zuordnung
64% (94%)29% (89%)
68% (93%)
67% (97%)
Effizienz    
FTEs im Prozess „Process Accounts Payable“13,26 (5,32)12,75 (4,55)
15,42 (6,44)
9,86 (4,38)

FTE - Full Time Equivalent (Vollzeitäquivalent)

*) keine signifikante Grundgesamtheit vorhanden

 

Fortsetzung

Median (Benchmark)

PAY

 

GesamtDinestleistungen
Transport und Logistik
Retail
Kosten    

Kosten des Prozesses „Process Accounts Payable“ pro eine Million US-Dollar Umsatz

0,74$

(0,20$)

0,85$ (0,27$)
*)
0,44$ (0,15$)
Durchlaufzeiten    
Rechnungseingang bis Zahlungsvorschlag (in Tagen)
7,5 (3)10 (3)7 (3)7 (4)
Rechnungsposition mit fehlerfreier Zuordnung
64% (94%)80% (98%)
*)
67% (97%)
Effizienz    
FTEs im Prozess „Process Accounts Payable“13,26 (5,32)16,04 (6,89)
11,09 (5,91)
9,86 (4,38)

FTE - Full Time Equivalent (Vollzeitäquivalent)

*) keine signifikante Grundgesamtheit vorhanden

Das kosten Einkaufsprozesse

Für die meisten Unternehmen ist der globale Einkauf von direkten Gütern iim Teilprozess „Procure“ die wichtigste Aufgabe. Gleichwohl haben viele Unternehmen Schwierigkeiten mit der Lieferantenbewertung, vor allem in neuen Märkten. Die regelmäßige Analyse von Lieferanten und eingekauftem Material in Spend-Analysen sind deshalb zentrale Kriterien bei der Beurteilung der Einkaufsfunktion.

Indirekte Güter, Sourcing, Monitoring

Weniger Bedeutung messen Unternehmen der Bezugsquelle von indirekten Gütern bei, ebenso den momentan noch wenig standardisierten Funktionen von E-Procurement und E-Sourcing (Hören Sie auch unser Webinar zum Thema Sourcing [11]). Immer wichtiger hingegen wird eine strukturierte Überwachung zur Einhaltung von Lieferantenverträgen.

Neben aktuell diskutierten Maßnahmen zu „Green Procurement“ sind deshalb die Einführung von Lieferantenentwicklungssystemen sowie die KPI [12]-Steuerung weitere wesentliche Investitionsvorhaben für Einkaufsfunktionen.

Kosten und Wertbeitrag des Einkaufsprozesses

Kostenanteil

 

Personal

69,3%

Systeme

7,1%

Overhead

15,8%

Andere

4,3%

Externe Dienstleistungen

3,5%

 

Wertanalyse

 

Entwicklung von Sourcing Strategien

18,9%

Lieferantenauswahl / Vertragsverhandlungen

26,3%

Bestellung Material und Services

40,5%

Lieferantenentwicklung

14,3%

 

Ansatzpunkte zur Prozessoptimierung

Folgende Vorgehensweisen führen im Bereich Procure zu guten Ergebnissen:

  • Vereinfachung von Einkaufsprozessen, um Einkäufern mehr Zeit für strategische Fragestellungen zu geben
  • Investition in Technologien, die ein elektronisches Anlegen von Bestellungen ermöglichen
  • Standardisierung der Funktionen über die gesamte Einkaufsorganisation, um Skaleneffekte zu erzielen
  • Einführung von Lieferanten-gesteuertem Lagerbestand, um Effizienzen in der Bestellung zu erzielen
  • Einführung von klar dokumentierten Einkaufsrichtlinien und Sicherstellung der Einhaltung durch die einkaufenden Mitarbeiter

 

Das kosten Zahlungsprozesse

Auffällig im Vergleich zum Einkaufsprozess sind die höheren Kosten für die Systeme. Dies deutet generell auf eine stärkere Systemunterstützung im Zahlungsprozess hin, etwa den Einsatz von Rechnungsfreigabesystemen.

Die Einordnung der unter strategischen Gesichtspunkten unwichtigen Funktion des Zahlungsprozesses wird auch in der Wertanalyse sehr deutlich: In keinem Fall wird er als entscheidungsunterstützende Funktion betrachtet.

Insgesamt werden in 62,4 Prozent der Fälle Rechnungen immer noch traditionell in Papierform versendet. Rechnungen, die via EDI (Electronic Data Interchange [13]) empfangen werden, sind mit 14,6 Prozent von untergeordneter Bedeutung, obwohl sie wesentliche Effizienzgewinne versprechen. Entsprechend hoch ist mit 66,2 Prozent auch die Zahl manuell eingegebener Rechnungen, gescannte Rechnungen liegen bei 6,6 Prozent und EDI-Rechnungen bei 18,2 Prozent.

Kosten und Wertbeitrag der Zahlungsprozesse

Kostenanteil

 

Personal

64,2%

Systeme

13,5%

Overhead

14,3%

Andere

3,9%

Externe Dienstleistungen

4,1%

 

Wertanalyse

 

Entscheidungsunterstützung

0,0%

Transaktionen

80,9%

Steuerung

10,9%

Management

8,2%

 

Quick Wins für einen besseren Zahlungsprozess

Fazit: Insgesamt lassen sich für den Zahlungsprozess innerhalb von Procure-to-Pay zahlreiche Maßnahmen definieren, die meist als Quick-Wins schnell umsetzbar sind und die Effizienz erheblich verbessern können. Die Maßnahmen im Überblick:

 

  • Standardisierung von Systemen, Richtlinien und Prozeduren im Zahlungsprozess
  • Einführung einer zentralisierten Zahlungsfunktion oder eines Shared Service-Modells
  • Integration von Zahlungssystemen mit Einkaufssystemen
  • Umstellung auf elektronischen Rechnungseingang in Kooperation mit Lieferanten
  • Digitalisierung von Rechnungen zur prozessualen Vereinfachung und anschließenden Archivierung
  • Automatisierung von Rechnungsverteilung
  • Einsatz von geeigneten Toleranzen zur Reduktion von Durchlaufzeiten
  • Konsequente Nutzung von elektronischen Zahlungen und Zahlungsbenachrichtigungen

 

 

Die Autoren: Alexander Vocelka leitet als Partner die Financial Management-Beratung von IBM Global Business Services [8], Steven Tran ist Managing Consultant.

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Quellen-URL: http://www.cfoworld.de/wie-teuer-ist-ihr-einkaufsprozess

Links:
[1] http://www.cfoworld.de/33/management
[2] http://www.cfoworld.de/14/controlling
[3] http://www.cfoworld.de/1/rechnungswesen
[4] http://www.cfoworld.de/benchmarks-fuer-ihre-prozesse-im-treasury
[5] http://www.cfoworld.de/wie-effizient-ist-ihre-finanzabteilung
[6] http://www.cfoworld.de/it-benchmarking-best-practices
[7] http://www.apqc.org/portal/apqc/site
[8] http://www-935.ibm.com/services/de/bcs/html/bcs_financialmgmt.html
[9] http://www.cfoworld.de/640/working-capital-management
[10] http://www.cfoworld.de/585/rechnungspruefung
[11] http://www.cfoworld.de/erfolgsfaktoren-fuer-sourcing
[12] http://www.cfoworld.de/559/key-perfomance-indicator
[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Elektronischer_Datenaustausch#Abrechnung_im_EDI-Verfahren
[14] http://www.cfoworld.de/forward?path=wie-teuer-ist-ihr-einkaufsprozess
[15] http://www.cfoworld.de/print/wie-teuer-ist-ihr-einkaufsprozess