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Eigenkapitalbeschaffung im Mittelstand

Wieso das Geld nicht fließt - Teil 1

Bleiben Beteiligungen und Kredite aus, sind die Schuldigen schnell gefunden. Doch oft sind es ganz andere Probleme, die den Geldhahn verstopfen.

von Dirk Elsner, am 9. September 2010

Trotz oder gerade wegen der Erholung der Wirtschaft bleibt die Finanzierungsklemme vieler Unternehmen ein schwieriges Thema. Dies umso mehr, da nun zusätzliche Ressourcen zur Stützung des Wachstums gebraucht werden. Doch stattdessen verdünnt sich bei immer mehr Unternehmen die Eigenkapitaldecke, was wiederum ihre Chancen auf frisches Fremdkapital [1] verschlechtert.

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Auch läuft die Eigenkapitalbeschaffung gerade für mittelständische Unternehmen vergleichsweise zäh. Dies überrascht, ist doch häufig zu hören, es sei mittlerweile genügend Kapital da. Hunderte von Private-Equity-Firmen, Family-Offices und Mezzanine-Investoren säßen auf nach Anlage suchender Liquidität [8] (so beispielsweise eine Einschätzung vom Jahresanfang [9]). Dennoch fließen in der Praxis die Mittel oft nicht dorthin, wo Bedarf herrscht.

Probleme bei mittlerem Kapitalbedarf

Tatsächlich ist der Weg zu neuem Risikokapital für viele Unternehmen schwierig. Diese Erkenntnis ist weder neu noch originell und hatte bereits vor Jahren eine Arbeitsgruppe unter Federführung der KfW diagnostiziert. Das Interessante an jener Studie war, dass schon damals eine Lücke im Beteiligungsmarkt festgestellt wurde und vor allem von Unternehmen mit mittlerem Kapitalbedarf wusste, dass sie erhebliche Beschaffungsprobleme hatten.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, ebenso wie seit langem über die Ursachen dieser Unterfinanzierung nachgedacht und geschrieben wird. Ökonomen sprechen bei Störungen auf den Kapitalmärkten meist von Informationsasymmetrien, Interessenkonflikten, Anreizmechanismen und Agency-Problemen. Kommen keine Beteiligungen zustande, gelten gemeinhin steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen als Ursachen (siehe auch die Ausführungen der KfW zur sinkenden Kreditvergabe [10]).

Doch es gibt weitaus mehr Hemmnisse in der Praxis.  Einige von ihnen möchten wir Ihnen in unserer dreiteiligen Serie vorstellen. Im ersten Teil geht es zunächst um die Hemm- und Hindernisse der Kapital suchenden Unternehmen selbst. Der zweite Teil behandelt das Mit- und Gegeneinander bei den Vorgesprächen und ersten Verhandlungen und der dritte Teil beschließt die Serie mit übergreifenden Themen und einem kurzen Fazit.

1. Vorurteile und Medienrummel

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Intes würde nur jedes fünfte mittelständische Unternehmen Hilfe von Unternehmerkollegen oder unternehmereigenen Beteiligungsgesellschaften annehmen. Einen Private-Equity-Fonds würden sogar nur acht Prozent im Falle einer Schieflage in die eigene Firma lassen. Was sind die Gründe für die hohe Ablehnung? Nachfolgend einige Beobachtungen aus der Praxis:

Selbst ein Bild machen

Dass in Deutschland die “Heuschreckendebatte” wenig hilfreich war, um das Vertrauen zwischen Mittelstand und Kapitalgebern zu stärken, liegt auf der Hand. Beteiligungsinvestoren, seien gefräßige Blutsauger, die ausschließlich an der möglichst gehebelten und kurzfristigen Maximierung der Werte ihrer Investments interessiert seien. Nach der Übernahme [11] würden Unternehmen unter großen Verbindlichkeiten [12] stöhnen, hätten kaum Luft mehr zum Atmen und würden ihre Ressourcen in Restrukturierungsmaßnahmen vergeuden - so der Verwurf.

Zwar gibt es unrühmliche Beispiele aus der jünsten Vergangenheit wie Märklin, doch sind mir persönlich solche Beteiligungsunternehmen bislang nicht begegnet. Das beste ist daher, sich selbst ein Bild zu machen. CFOs oder Geschäftsführer sollten mit branchennahen Unternehmen sprechen, die eigene Erfahrungen mit Beteiligungsgebern sammeln konnten.

2. Altgesellschafter wollen nicht teilen

Nicht unterschätzen sollte man drohende Verteilungskonflikte zwischen Alt- und potenziellen Neueigentümern. Rechnen Alt-Gesellschafter nach einer Kapitalzufuhr mit einem spektakulären Erfolg, dann wollen sie die Teilung dieses Erfolgs möglichst vermeiden.

Alteigentümer trauen ihrem Unternehmen aufgrund ihres Erkenntnisvorsprungs (oder weil sie möglicherweise Risiken eher ausblenden) nämlich wesentlich mehr zu als ein Investor, der nur nüchtern Daten und Märkte analysiert. Diesen “erwarteten” Mehrerfolg möchte man möglichst nicht teilen. Daher werden eher Eigenmittel gesucht, die Ausschüttungen begrenzen, wie stille Beteiligungen oder Mezzanine-Finanzierungen [6].

3. Machtverschiebungen

Durch externe Kapitalgeber verschiebt sich das bisherige Machtgefüge im mittelständischen Unternehmen. Wer neue Eigenkapitalgeber ins Boot holt, gibt einen Teil der Selbstbestimmung ab .

Vor allem mittelständische Unternehmen scheuen mit der Einwerbung von Kapital verbundenen Verpflichtungen. Sie wollen weder ihre Geschäftspolitik einem Dritten offen legen noch sich den “Regeln der Finanzmärkte” unterwerfen. Insbesondere viele Familienunternehmen wollen Entscheidungsbefugnisse an Dritte nur ungern abgeben oder ihre Entscheidungen vor „Fremdverwaltern“ in welcher Form auch immer rechtfertigen müssen (mehr zur Lage in Familienunternehmen finden Sie hier [13]).

4. Mangelhafte Planungsprozesse

Kapitalgeber wollen vor ihrem Engagement wissen, ob ein Unternehmen die strategischen Zielsetzungen erfüllen, Gewinne auszuschütten bzw. den Wert steigern kann. Hierfür benötigen sie solide Planungsunterlagen.

Nun wird zwar von jedem Gründer heute ein Businessplan mit entsprechenden Daten zu der erwarteten Geschäftsentwicklung erwartet, eine detaillierte Planung ist hingegen sogar in etablierten Unternehmen häufig nicht vorhanden oder wird schlicht als lästig empfunden (in vielen Unternehmen herrscht sowieso ein Durcheinander wenn es um die Beschaffung von Geschäftsdaten geht) [14].

Dadurch entsteht bei potentiellen Kapitalgebern schnell der Eindruck, es regiere das vielgerühmte Bauchgefühl. Wer die Halbwertzeit vieler Planungen kennt, weiß, dass ein gutes Bauchgefühl eines erfahrenen Unternehmers viel mehr Wert sein kann, als ein noch so ausgefeilt aufgebautes Planungsmodell. Kapitalgeber können damit wenig anfangen, denn sie müssen meist selbst Rechenschaft über ihre Investments ablegen und brauchen dafür belastbare Zahlen. Sind diese nicht verfügbar, kann manche Kapitalspritze ausbleiben.

 

Teilen Sie die Erfahrungen aus dem Beitrag? Oder haben Sie andere Beobachtungen bei der Kapitalbeschaffung und Beteiligungen gemacht? Erzählen Sie uns davon. Nutzen Sie hierzu bitte den Kommentarbereich dieses Beitrags. Er ist nach der Anmeldung auf CFOworld sichtbar.

 

 

* Dirk Elsner war mehrere Jahre Bereichsleiter einer Bank und Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe. Heute berät er Banken und mittelständische Unternehmen. Er schreibt regelmäßig für die CFOworld.

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Quellen-URL: http://www.cfoworld.de/wieso-das-geld-nicht-fliesst-teil-1

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