Kommentar Nachhaltigkeit

Regeln und Normen für Manager

Kommentar Nachhaltigkeit: Regeln und Normen für Manager
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Nachhaltigkeit und Unternehmensführung - wie sie im Daily Business miteinander vereint werden? Gibt es Regeln zur Orientierung? Ja. Die Führungsetage könnte sich diesbezüglich an kirchlichen Orden orientieren.

9. Dez 2011

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Diese Thematik wurde auch in diesen Kolumnen schon häufiger diskutiert: Wie kann Nachhaltikeit in die Unternehmensstrategie integriert werden? Ethische Werte sollten dabei ebenso eine Rolle spielen, wie die Bilanzzahlen. Es genügt aber laut Aussage von Kim Roether, Vorstand der Intersport Deutschland, nicht mehr, wenn das Management nur hinter dem Konzept „Nachhaltigkeit“ steht. Vielmehr müssten alle täglich dafür werben und vor allem beispielhaft agieren.

Jeder entwickle und bestimme die Regeln des täglichen Miteinanders. Jeder Unternehmensführer sei daher nicht nur gefordert, sondern habe die Pflicht, ein Vorbild zu sein und für das eigene Handeln Verantwortung zu übernehmen, so Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburg, Buchautorin ("Der feine Unterschied").

Regeln für ethische Investments

Wo finden wir nun aber Regeln für den Unternehmensalltag? Wo können wir kurz nachlesen, wenn wir in einer Vorgehensweise oder Entscheidung unsicher werden? Wo sind nachschlagbare Regeln, die sich über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende bereits bewähren konnten!

Wir finden Sie zum Beispiel bei den Franziskanern, deren reich gewordener Ordensgründer Franz von Assisi ein Leben in Armut wählte und dessen Regeln bereits 1997 Grundlage für einen Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden für ethische Investments wurde; sozusagen eine Bibel für Manager nachhaltiger Fonds.

Wertorientierte Unternehmensführung

Auch die 1500 Jahre alten Ordensregeln der Benediktiner können als bewährter Leitfaden für eine wertorientierte Unternehmensführung fürs tägliche Leben herangezogen werden. „Bereits der berühmte Satz „Ora et labora“ macht deutlich, dass Arbeit als wesentlicher Bestandteil eines erfüllten und sinnvollen Lebens gesehen wird.

Eine Organisation ist mehr als ein zielorientiertes und soziales System, das heisst: Entscheidend für alles, was in Abteilungen und Unternehmen geschieht ist das Handeln des Menschen“ so Anselm Bilgri, Vordenker und Förderer einer werteorientierten bedürfnisbezogenen Lebens- und Arbeitsweise und ehemaliger CFO der Abtei St. Bonifaz in München und Andechs.

Gebote für Unternehmer

Die sehr detaillierten Regeln des Hl. Benedikt von Nursia sind heute immer noch aktuell, denn diese Regeln für das menschliche Miteinander haben den Menschen ins Zentrum genommen. „Alle Dinge sind in unaufhörlicher Bewegung und wir vermögen nicht an ihnen festzuhalten, selbst wenn wir es wünschen“.

Alles ist im Fluss und so kennen die Benediktinerregeln trotz ihres Detailierungsgrads nur wenig unumstößliche Normen. Man könnte sie auf die Unternehmensführung übertragen (Lesen Sie hier auch, warum Joseph als der wohl CFO gesehen werden kann). So etwa „Discretio“ - der Cellerar, sozusagen als CFO des Klosters, wurde aus der Gemeinschaft für diese Position ausgewählt. Der Bruder musste dabei weise sein, einen reifen Charakter haben und nüchternen Geistes sein.

Gehorsam und Demut vom CEO

Aber auch „Gehorsam“ gehört zu den absoluten Normen. Der Abt, wenn man ihn als CEO des Klosters betrachtet, sollte stets bedenken, welche Bürde er auf sich genommen hat und wem er Rechenschaft über seine Verwaltung ablegen muss. Er müsse wissen, dass er mehr helfen als herrschen soll. Auch „Demut“ muss befolgt werden, im Klartext: Nicht stehlen, nicht begehren, nicht falsch aussagen, alle Menschen ehren. Und keinem anderen antun, was man selbst nicht erleiden möchte. In diesem Zusammenhang können auch die vom Bund der katholischen Unternehmer herausgegebenen „Zehn Gebote für Unternehmer“ sein.

Langfristige Werte schaffen

Ohne klare, feste Regeln wird Nachhaltigkeit unterschiedlich definiert. So meint Prof. Dr. Andreas Suchanek, Inhaber des Dr. Werner Jackstädt-Lehrstuhls für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Handelshochschule Leipzig gGmbH und Mitbegleiter des Leitbilds für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft: "Nachhaltigkeit bedeutet für mich Investitionen in künftige Handlungsbedingungen bzw. in langfristig wichtige (Vermögens-)Werte wie Integrität, Vertrauen und Fairness. Diese sind heute so wichtig geworden, weil das Dringliche - einschließlich dem Wunsch nach kurzfristigem Erfolg oder Konsum - nicht selten das Wichtige - den Aufbau bzw. Erhalt langfristig wichtigen Kapitals - verdrängt und es eine anspruchsvolle Aufgabe ist, Informationen und Anreize so zu gestalten, dass solche Investitionen gefördert werden".

Unternehmertätigkeit im Wandel

Der Papst hat auch eine eigene Definition zu der Thematik:„Die derzeitigen internationalen wirtschaftlichen Dynamiken mit ihren schwerwiegenden Verzerrungen und Missständen erfordern, dass sich auch das Verständnis des Unternehmens tief greifend verändern muss. Alte Formen der Unternehmertätigkeit gehen ihrem Ende entgegen, doch am Horizont werden neue viel versprechende Formen sichtbar“ beruhigt uns Papst Benedikt der XVI in seiner Enzyklika "Caritas in Veritate".

Grundsätze nachhaltiger Unternehmensführung - Erfolg durch verantwortungsvolles Management

von Edeltraud Günther und Rudolf X. Ruter (Hrsg.)

  • Erich Schmidt Verlag, Berlin, 2012
  • ca. 280 Seiten, 39,95 Euro
  • ISBN: 978-3-503-14135-7

Siehe hier für weitere Informationen.

Rudolf X. Ruter ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sowie Leiter des Arbeitskreis „Nachhaltige Unternehmensführung“ in der Schmalenbach-Gesellschaft Betriebswirtschaft e.V. (AKNU). Zudem ist Herr Ruter Mitglied des Beirats Financial Experts Association e.V und im Beirat des Deutschen CSR-Forums. Seine Kolumnen erscheinen regelmäßig auf CFOworld. Mehr zum Autor unter www.ruter.de.

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