
Eine Geschäftsstrategie zu entwickeln ist das eine, sie auch im Tagesgeschäft umzusetzen das andere. Der Weg zu einer wirklich integrierten Steuerung der Unternehmen ist noch weit wie jetzt eine europaweite Umfrage von PricewaterhouseCoopers (PwC) zeigt.
Corporate Performance Management (CPM) beschreibt den Ansatz der integrativen Unternehmenssteuerung von der Strategieentwicklung über die Planung und Budgetierung bis hin zum Berichtswesen und Maßnahmenumsetzung im operativen Tagesgeschäft.
CPM-Programme haben dabei die Aufgabe, die Effektivität und Effizienz der Unternehmenssteuerung in den Dimensionen Inhalte, Prozesse, Organisation und Systeme zu verbessern. In den letzten Jahren haben viele Unternehmen daher entsprechende Programme initiiert.
Doch wie weit haben solche CPM-Programme in der Praxis Verbesserungen herbeiführen können und wie gut ist der Grad der Integration in der Praxis? – Danach fragt die PwC-Studie "Corporate Performance Management - Wie effektiv ist ihre Unternehmenssteuerung?". Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft befragte hierzu rund 400 Unternehmen aus 22 europäischen Ländern zu ihren Erfahrungen mit CPM. Rund vier von fünf Unternehmen erzielen einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro, etwa ein Drittel erwirtschaften Erlöse von mehr als einer Milliarde Euro. Heraus kam ein vielschichtiges Ergebnis, dass wir Ihnen nachfolgend kurz vorstellen:
Die meisten Unternehmen sind grundsätzlich zufrieden mit ihren Planungs- und Forecasting-Prozessen. So geben 78 Prozent an, die Verantwortlichkeiten seien bei ihnen hinreichend geregelt. Allerdings zeigt die Studie deutlich, dass der Planungsaufwand in den Unternehmen oft sehr groß und auch langwierig ist. So nimmt der Prozess von der strategischen bis zur operativen Planung bei 46 Prozent der Befragten über sechs Monate in Anspruch.
Nur 17 Prozent schaffen den gesamten Planungsprozess, von der strategischen bis zur operativen Planung unabhängig von ihrer Unternehmensgröße und bei gleicher Planungsqualität in maximal drei Monaten. Weniger Aufwand kann zudem durchaus zu besseren Ergebnissen führen: Unternehmen, die sich auf wesentliche Planungsinhalte beschränken, Planungsmethoden und Algorithmen mit Bedacht einsetzen sowie über eine optimale technische Unterstützung verfügen, zeigten sich durchweg zufriedener mit den Prozessen als Unternehmen, in denen dies nicht der Fall war.

Dauer des gesamten Planungsprozesses in Monaten. n= 400 europäische Unternehmen, Quelle: PwC
Ein weiteres Gütekriterium der Planung ist ihre Flexibilität. Da die Informationsansprüche stetig steigen und Prognosen heute sowohl immer schneller überholt als auch komplexer sind, muss die Planung verschiedene Zukunftsszenarien berücksichtigen und sich laufend an Veränderungen anpassen. Doch davon sind offenbar noch vielen Unternehmen weit entfernt: Immerhin 20 Prozent der Befragten interessieren sich für innovative Budgetierungs- und Forecastmethoden wie zum Beispiel Better Budgeting oder sogar Beyond Budgeting. Ob solche Ansätze aber tatsächlich zum Einsatz kommen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.
In Zeiten deutlich verschlechterter Finanzierungsmöglichkeiten und insgesamt erhöhter Insolvenzgefahr ist überraschend, dass das Thema Liquidität in einer signifikanten Anzahl von Unternehmen nicht hinreichend berücksichtigt wird. Unternehmen müssen ihre Innenfinanzierungsfähigkeit absichern, steuern und Engpässe frühzeitig erkennen. 22 Prozent der befragten Unternehmen unterschätzen die Bedeutung aktueller Cashflow-Analysen und einer integrierten Cashflow-Planung. Stattdessen nehmen sie diese nur unregelmäßig, nur zum Jahresabschluss oder überhaupt nicht vor.
Im Management-Reporting lässt sich zwischen der reinen Sammlung und Aufbereitung von Daten sowie deren Analyse, Interpretation und Kommentierung unterscheiden. Rund 60 Prozent des Gesamtaufwands entfallen in den Unternehmen auf die reine Datenbewirtschaftung, während die eigentlich wertschöpfende Datenanalyse der zunehmend komplexen Unternehmensdaten und relevanter externer Informationen noch zu kurz kommt.

Zeitanteil für die verschiedenen Aufgaben beim Management-Reporting, n= 400 europäische Unternehmen, Quelle: PwC
Das Controlling muss diese Daten nicht nur bereitstellen, sondern auch interpretieren und die Ergebnisse den Entscheidungsträgern entsprechend deren Informationsbedürfnissen übermitteln. Dies sehen offenbar auch die Befragten so und planen in den kommenden Jahren den Aufwand für Datensammlung versus Datenanalyse in ein Verhältnis von etwa 1:2 zu bringen.
CMP-Anwendungen brauchen eine funktionierende IT-Infrastruktur. Hierzu gehören heute insbesondere integrierte Lösungen für Business Intelligence (BI). Dies bestätigt auch die Studie, wonach 36 Prozent der Unternehmen bereits BI-Software im Management-Reporting einsetzen. Von dieser Gruppe zeigten sich 65 Prozent zufrieden mit der Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der generierten Unternehmensinformationen. Bei Unternehmen ohne spezielles BI-System liegt dieser Wert nur bei 47 Prozent.
Die Umsetzung der strategischen Ziele im Tagesgeschäft muss möglichst konkret in der individuellen Zielvereinbarung mit den Mitarbeitern berücksichtigt werden. 93 Prozent der Studienteilnehmer sind überzeugt, dass dies einen positiven Einfluss auf die Unternehmensleistung hat. Wichtig ist, dass es sowohl monetäre und nicht monetäre Anreize als auch zeitliche oder abteilungsbezogene Zielvereinbarungen gebe. Unter diesen Angeboten sind laut PwC-Studie aktuell langfristige Vorgaben auf dem Vormarsch. So genannte Bonus-Bank-Ansätze existieren bei mittlerweile 24 Prozent der befragten Unternehmen. Bei diesen Ansätzen werden langfristig orientierte Bonuszahlungen auf ein Bonus-Bank-Konto eingezahlt und nur dann ausgezahlt, wenn die langfristigen und nachhaltigen Ziele tatsächlich erreicht wurden.
*Damir Maras ist Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers und Experte für Corporate Performance Management. Die kostenlose Studie können Sie hier erhalten.
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