Lizenzfreie Software für Reporting und Analyse

Was bringt Open Source im Controlling?

Open Source-Angebote für das Berichtswesen und Analysen scheinen eine günstige Alternative zu gängigen Business-Intelligence-Tools. Doch oft sind die tatsächlichen Einsparungen gering.

von Werner Kurzlechner, am 26. Mai 2010

An dem Nutzen und vor allem Kostenvorteil quelloffener Software (Open-Source) für Reporting und Analyse sowie Datenmanagement scheiden sich die Experten-Geister. Selbst die Marktanalysten von Gartner, die dereinst den Begriff Business Intelligence für derartige, im Controlling mittlerweile weit verbreiteten Wekzeuge prägten, sind sich über die Bedeutung von Open-Source-Produkten nicht einig. Während sie zu Beginn des Jahres Open Source als Trend in Sachen Business Intelligence (BI) ausriefen, relativierte kurze Zeit später Andreas Bitterer, Research Vice President im gleichen Hause, diese Einschätzung. Unausgereift und überschätzt seien die Angebote und auch als Mittel zur Kostensenkung nur bedingt geeignet, so Bitterer in einem Webinar.

Auch andere Experten sind uneins. Lesen Sie ihre Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen zu Open-Source-BI.

1.Wie verbreitet ist Open Source-Software im BI-Bereich?

"Weniger als fünf Prozent der Unternehmen setzen derartige Lösungen ein", sagt Barney Finucane vom Business Application Research Center (BARC). Ein leichtes Wachstum sei im Segment festzustellen, allerdings derzeit nicht in nennenswertem Ausmaß. Auch von den etablierten BI-Anbietern würden die Open Source-Vendors nicht als echte Konkurrenz betrachtet.

Laut Bitterer wird in den kommenden Monaten lediglich das quelloffene Datenbanksystem MySQL größere Zuwächse verbuchen können. Bei Datenbank-Management-Systemen fürs Data Warehouse bevorzugen Gartner-Kunden ansonsten eindeutig proprietäre Software.

Weniger Marktpräsenz in Deutschland

"Wenn man unter einem Trend Markteinfluss mit einem gewissen Momentum und kritischer Größe versteht, ist er jedenfalls in Deutschland nicht auszumachen", konstatiert auch Carlo Velten, Senior Advisor bei Experton. Im angelsächsischen Raum, aus dem die größten Open Source-BI-Anbieter wie Jaspersoft oder Pentaho stammen, oder in Frankreich sei die Entwicklung wesentlich weiter fortgeschritten.

In Deutschland bilde in höherem Maße als anderswo Enterprise Resource Planning (ERP) das Rückgrat der IT, auf das BI-Tools in der Regel aufsetzen. Was das bedienen dieser Schnittstellen sowie Integration und Implementierung angeht, haben laut Velten die etablierten Anbieter eindeutig die Nase vorn. Open Source-BI tue sich hierzulande aber auch deshalb schwer, weil es an auf diese Lösungen spezialisierten Dienstleistern fehle, ohne die entsprechende Projekte kaum zu stemmen seien (ein Gegenbeispiel ist der Süddeutsche Verlag, der die Open-Source-Software Palo erfolgreich im Konzerncontrolling einsetzt).

Open Source zum Schnupperpreis

Etwas positiver beurteilt man die Lage bei IDC. "Ja, wir sehen durchaus einen Trend hin zu For-Free-Software“, sagt Analyst Rüdiger Spies. Damit seien neben echten Open-Source-Lösungen auch sehr günstige proprietäre BI-Angebote gemeint. Etablierte Anbieter schnüren zum Beispiel Reporting-Tools oder ETL-Funktionen zu speziellen Paketen mit keinen oder sehr geringen Lizenzkosten. "Quasi Testpakete zum Schnupperpreis, die über die Support- und Projektkosten refinanziert werden", so Spies.

Die Nachfrage nach diesen Angeboten ebenso wie nach genuinen Open Source-Produkten zeige den wachsenden Bedarf nach Lösungen jenseits der umfassenden BI-Suiten. "Nach unserer Einschätzung experimentiert ein Fünftel der Unternehmen in irgendeiner Weise mit Open Source-BI", so Spies.


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