CFOs sind Social Media-Muffel

Zaungast im virtuellen Rotary Club

CFOs halten sich beim Social Networking bislang auffallend zurück. Dafür haben sie meist gute Gründe – ignorieren sollten sie das Phänomen jedoch nicht.

von Werner Kurzlechner, am 9. August 2010

Die Oberhoheit über die Unternehmens-IT zu haben, sind viele CFOs gewöhnt. Als anfällig für Moden gelten sie nicht unbedingt. In Sachen Social Media sogar als ausgesprochene Muffel. Ebenso wie Anwälte verschliefen sie die Möglichkeiten des Social Networking für die Vermarktung ihrer Expertise, rüffelt Morris Kaplan in unserer australischen Schwesterpublikation www.cfoworld.com.au. Kaplan rät den Finanzchefs, einfach mal ein paar Schüler einzuladen, die ihnen die Grundlagen über Twitter, Facebook und LinkedIn beibringen.

 

Ist zwitschern Zeitverschwendung?

Ganz so einfach ist die Sache indes nicht. Für die Skepsis von CFOs gegenüber virtuellen Welten gibt es durchaus gute Gründe. Wer von Berufs wegen abwägt, kalkuliert und Risiken gewichtet, muss sich einige schwierige Fragen stellen: Was bringt Social Media allgemein fürs Unternehmen? Könnte das Gezwitschere nicht doch pure Zeitverschwendung sein? Wie leite ich in dieser Frage meine eigenen Mitarbeiter an? Was habe ich davon, in sozialen Netzwerken unterwegs zu sein? In welche Gefahren schlittere ich dabei möglicherweise? Oder mein Unternehmen?

 

Markenpflege mit Risiken

Risiken für den guten Ruf gibt es in der virtuellen Welt sicherlich. Vor wenigen Monaten knackten Greenpeace-Unterstützer beispielsweise die Facebook-Seite von Nestlé und platzierten dort die Beschwerden, das Unternehmen trage zur Regenwaldzerstörung in Indonesien bei. So was schadet dem Image, und ähnliches könnte auch CFOs passieren, die sich offen im Web 2.0 bewegen. Und doch handelt es sich um selten vorkommende Einzelfälle.

In einer Forrester-Studie über Social Media heißt es, dass es viele klare Beispiele von Unternehmen gibt, die dadurch ihren Ertrag steigern. Thematisiert würden aber oft nur die Horror-Geschichten. „Wer Social Media tatsächlich nutzt, erkennt tagtäglich die Korrelation zur Reputation der Marke“, so Analyst Nigel Fenwick. Die Skepsis vieler Unternehmen gegenüber sozialen Netzwerken vergleicht er mit der Ablehnung des Internets Mitte der 1990er-Jahre. „Es gibt da eine Parallele“, so Fenwick. Damals wie heute sei die Begründung der Ablehnung oft der vermeintlich fehlende ROI gewesen.

 

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