Bilanzierung

Zinslose Darlehen wie Wertpapiere

Bilanzierung: Zinslose Darlehen wie Wertpapiere
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Unverzinsliche Forderungen rechtfertigen keine Abschreibung von Teilwerten. Temporäre Wertverluste seien mit sinkenden Wechselkursen von Wertpapieren vergleichbar.

28. Jan 2013

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Die auf der Unverzinslichkeit einer im Anlagevermögen gehaltenen Forderung beruhende Teilwertminderung ist keine voraussichtlich dauernde Wertminderung. Sie rechtfertigt deshalb keine Teilwertabschreibung, wie der Bundesfinanzhof (BFH) in einer Entscheidung mit Aktenzeichen I R 43/11 klarstellt. Der Entscheidungsfall betraf eine Darlehensforderung gegen eine Tochtergesellschaft.

Eine GmbH hatte einem Tochterunternehmen für 9 Jahre ein unverzinsliches Darlehen in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro gewährt. Das Unternehmen verbuchte diese Forderung mit einem Wert von etwa 1,1 Millionen Euro, weil man die Darlehenshöhe über die gesamte Laufzeit zum damals üblichen Zinssatz von 5,5 Prozent abzinste. Das Finanzamt erklärte diese Abzinsung allerdings für unzulässig und zählte die fehlenden rund 700.000 Euro zum ertragssteuerlich relevanten Gewinn. Die Klage gegen diese Entscheidung wurde vom zuständigen Finanzgericht Münster abgewiesen, weil die Unverzinslichkeit des Gesellschafterdarlehens eines Alleingesellschafters nicht zu einer Minderung des Teilwerts der Darlehensforderung führe. Der BFH wies nun die Revision gegen diese Entscheidung als unbegründet zurück und bestätigte die Einschätzung des Finanzgerichtes.

BFH definiert Ausnahmen

Der Teilwert unverzinslicher Darlehen sei grundsätzlich durch Abzinsung der künftigen Rückzahlung zu ermitteln, so der BFH: „Diese Grundsätze gelten allerdings nicht ausnahmslos.“ So könne im Fall der Betriebsaufspaltung die Teilwertabschreibung eines eigenkapitalersetzenden Darlehens, das der Betriebskapitalgesellschaft vom Gesellschafter des Besitzunternehmens gewährt wurde, nicht auf die Unverzinslichkeit der Darlehensforderung gestützt werden. Auch die Unverzinslichkeit des Gesellschafterdarlehens eines Alleingesellschafters einer Kapitalgesellschaft könne grundsätzlich nicht zu einer Minderung des Teilwerts der Darlehensforderung führen. Dies gelte unabhängig davon, ob die Forderung eigenkapitalersetzenden Charakter habe oder nicht.

Recht auf Erhalt des Nominalwertes

Im Entscheidungsfall zog der BFH einen Vergleich mit gesunkenen Wechselkursen von festverzinslichen Wertpapieren. Der Inhaber habe dabei das gesicherte Recht, am Ende der Laufzeit des Wertpapiers dessen Nominalwert zu erhalten. „Diese Überlegung ist auf eine Wertminderung, die auf der Unverzinslichkeit einer noch nicht fälligen Forderung beruht, zu übertragen“, heißt es weiter im Urteil. Auch in diesem Fall sei zwar der aktuelle Wert der Forderung zu den Bilanzstichtagen, die vor dem Fälligkeitszeitpunkt liegen, gemindert. Jedoch steige der Wert in der Folge zwangsläufig sukzessive an und erreiche im Fälligkeitszeitpunkt den Nominalbetrag der Forderung. „Der Forderungsinhaber hat mithin auch in diesem Fall die gesicherte Aussicht, zum Fälligkeitszeitpunkt den Nominalwert der Forderung zu erhalten“, so der BFH. Die mit dem Fehlen der Fälligkeit einer unverzinslichen Forderung verbundene Wertminderung erweise sich somit in der Regel als nur vorübergehend und folglich als nicht dauerhaft.

Berechenbarkeit irrelevant

Anders als bei festverzinslichen Wertpapieren seien die aktuelle Minderung als auch der zu prognostizierende Anstieg des Teilwerts bei unverzinslichen Darlehensforderungen berechenbar. „Dies rechtfertigt jedoch keine unterschiedliche Beurteilung der Dauerhaftigkeit der Wertminderung“, so die Richter. „Insbesondere bedeutet die Übertragung der zu den festverzinslichen Wertpapieren entwickelten Überlegungen auf unverzinsliche Forderungen keine Abkehr von dem Grundsatz, nach dem die Dauerhaftigkeit der Wertminderung keine endgültige Wertminderung voraussetzt.“ Die Dauerhaftigkeit der Wertminderung werde nur dann ausgeschlossen, wenn feststeht, dass die Wertminderung keinen Bestand haben wird, so der BFH.

Werner Kurzlechner stellt auf CFOworld regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Die letzten Beiträge von Werner Kurzlechner: